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Eine doppelte Runde ins Tal

Es scheint ein Naturgesetz zu sein: Immer wenn langes Wochenende ist, dann muss die beste aller Frauen nach Deutschland. Also bin ich am Hasenfest mal wieder solo, und will ein wenig wandern.

Freitag

Mit dem Auto runter zur Rennstrecke "Circuito de Jarama" in Ciudalcampo. Die Rennstrecke ist etwa auf halbem Weg nach Madrid rein, und auf beiden Seiten der Autobahn sind Siedlungen. In der westlichen Siedlung suche ich mir einen Parkplatz, was nicht ganz einfach ist: Hier stehen nur Villen, es gibt keine Parkplätze an der Straße. In der Mitte ist aber ein Golfplatz, und dort kann man parken. Hier steht ein schöner Oldtimer, ein Lancia.

Immer wieder kann man zwischen den Villen Richtung Berge durchschauen – nicht ganz hässlich hier!

Am hinteren Ende des Ortes geht zwischen einer Mauer und einem hohen Zaun ein Weg – man fühlt sich nur ein wenig eingesperrt. Wenigstens kann man gelegentlich über die Mauer nach Tres Cantos und später Colmenar Viejo herüberschauen.

Nach etwa einer Stunde hören Zaun und Mauer auf, und man kann endlich wieder Freiheit genießen.

Ich sehe heute keine Jabalí (Wildschweine), aber in der Gegend gibt es definitiv welche, ich habe früher schon mehrfach die kleinen Schweinderl gesehen. Kurz nach dem Schild hat man eine tolle Aussicht und sieht hinunter auf den weiteren Weg nach San Agustín.

Die Häuser, die man oben am Berg sieht, sind bereits die ersten Häuser meines Heimatdorfes El Molar. Aber bis dahin ist es noch ein Stück, jetzt erst mal runter zum Bach und rein nach "San Agu", wo ich mir nach etwa 12 km zuerst in meiner dortigen Lieblingsbar ein Mittagessen gönne.

Jetzt kommt der anstrengende Teil: San Agu liegt circa 200 Meter unter El Molar, und da ist dann auch noch ein Hügel dazwischen, also geht es jetzt ziemlich genau 250 Höhenmeter aufwärts, leider an der Landstraße entlang. Hier ist glücklicherweise nicht viel los.

Oben am Atalaya (Wachturm) angekommen sieht man schon über unsere Siedlung und das Nachbardorf Pedrezuela. Jetzt nur noch runter und wieder hoch, und nach 5,5 Stunden bin ich wieder zu Hause. Ein wenig über 22 Kilometer und 670 Höhenmeter bei bestem Wanderwetter – eine tolle Wanderung.

Samstag

Jetzt steht ja mein Auto in Ciudalcampo, also muss ich wieder zurück. Anstatt westlich der Autobahn geht es heute quer durch El Molar zum Stadtplatz, und dann weiter nach unten durch ein Tal zur alten Weinhändler-Siedlung. Heute ist es deutlich wärmer, und die schwarzen Holzbienen sind fleißig unterwegs. Kein Wunder, die Kirschen sind heftig am Blühen, und riechen auch kräftig.

Hier auf der Ostseite der Autobahn gibt es nur Sandpisten und vereinzelt einige "casas rurales", also freistehende Häuser im Nirgendwo. Und mehrere Stelen, die auf "Minas" hinweisen. Die AI klärt mich auf: Hier wurden unter Tage schräge Schächte unter die Hänge getrieben. Grundwasser sammelt sich darin, und unten ist das Wasser dann für die Bauern über einen Brunnen verfügbar.

Hier ist man ziemlich alleine. Sporadisch kommt einer der Anwohner mit dem Auto vorbei, und fast alle halten an und fragen, ob ich mich verlaufen habe und sie mich mitnehmen sollen. Es gibt heute nur noch vereinzelt Felder und Weinbau, im Sommer ist hier einfach nicht genug Wasser da. Es ist aber wunderschön und mit toller Weitsicht. Das Einzige, was fehlt, sind Bäume – es gibt keinerlei Schatten. Gut, dass ich ein Cap aufhabe. Heute ist es noch wärmer, und ich schwitze ziemlich.

Später lässt auch noch die leichte Brise nach. Das ist schlecht für den Wärmehaushalt, aber jetzt kann die Drohne sich ein wenig umschauen.

Die Wege sind meist gut zu laufen, nur an manchen Stellen wird der Sand recht tief, und ich laufe lieber neben dem Weg. Es scheint hier auch Schlangen zu geben, ich sehe mehrfach Spuren, wo sie über den Weg gekrochen sind.

Ich bin jetzt gegenüber San Agustín auf der Ostseite der Autobahn, hier wären ein Aldi und ein Lidl. Aber der Weg geht im großen Bogen außenrum, und es gibt auch wenig Stellen, wo man sich bequem hinsetzen könnte. Ich hatte mir ein bisschen Kekse mitgenommen, die müssen als Mittagessen reichen.

Ein wenig weiter südlich ist ein Industriegelände zwischen Autobahn und dem Guadalix-Fluss. Bevor ich dort hinkomme, komme ich noch am Flugfeld Loring vorbei. Der winzige Aerodromo ist so klein, da muss man schon mutig sein, wenn man hier starten und landen will! Die Landebahn ist gerade mal 200 Meter lang.

Leider ist heute niemand dort, ich wäre gerne in die kleine Flugplatzbar eingekehrt.

Nun geht es am Guadalix entlang bis nach Santo Domingo, auch hier stehen nur teure Villen. Die ganze Siedlung ist mit einem hohen Zaun umgeben, und es gibt nur wenige Eingänge. Der Haupteingang ist mit Polizeihäuschen „geschützt“. Hier wohnen Politiker, Fußballer und andere Reiche und Schöne.

Problem: Der Weg hört an einer geschlossenen Pforte zum Sportplatz auf. Ich quere durchs Dickicht zu einem anderen Weg, aber der geht außen am Ort vorbei, immer am Zaun entlang.

Nach einigen hundert Metern frage ich durch den Zaun eine Familie, die gerade im Garten beschäftigt ist. Sie sind zwar ein wenig genervt, weil ich nicht der Erste bin, der hier lost ist. Aber was soll ich sagen – diese bescheuerten Zäune überall nerven halt einfach, und ich will jetzt nicht 5 Kilometer um den Ort herumlaufen, nur weil die alle Angst vor bösen Einbrechern haben.

Ich darf dann freundlicherweise durch den Garten der Villa zur Straße und komme über die einzige offizielle Straßenverbindung aus der Siedlung wieder raus. Jetzt noch schnell über die Autobahn, und noch 2 Kilometer bis ins Zentrum von Ciudalcampo, und rechtzeitig zum Sonnenuntergang komme ich zum Auto zurück. Aufgrund der Sandpisten und des dadurch langsameren Laufens brauche ich heute für erneute 22 Kilometer fast 6 Stunden, und ich habe kaum Pause gemacht.

Obwohl es meist bergab ging, kamen doch 350 hm zusammen. Ich bin am Ende ziemlich ausgetrocknet und die Füßchen tun ein wenig weh. Aber schön war es!

Sonntag

Ein Freund will heute mit mir eine Radtour machen. Letztes Mal hat er mich ganz schön abgehängt – ich komme selten zum Radeln, und er ist gut in der Übung. Also warne ich ihn gleich: Ich fahre heute nicht weit, ich bin noch k.o. von den letzten beiden Tagen.

Wir starten die selbe Route, die ich gestern gelaufen bin. Nach dem ersten Kilometer fahren wir wieder zurück, mein Reifen ist ziemlich platt.

Frisch aufgepumpt geht es erneut durch El Molar runter ins Tal, an den Minas vorbei. Danach fahren wir einen Schlenker weiter östlich, um direkt von hinten nach Santo Domingo zu kommen und das Zaunproblem zu umgehen. Es geht die alte Landstraße Madrid–Burgos entlang, bis wir an Santo Domingo fast vorbeifahren sind. Hier gibt es einen kleinen Durchgang, und wir kreuzen rüber nach Ciudalcampo. Über den kleinen Weg zwischen Zaun und Mauer geht es sportlich. Das ist ein enger, verwitterter Pfad auf unebenem Gelände, und nicht ganz einfach zu fahren.

In San Agu angekommen sind wir beide schon recht erschöpft, und gönnen uns ein Kaltgetränk in der Bar. Eigentlich könnte man sich jetzt in den Bus setzen, aber die Blöße können wir uns jetzt nicht geben. Also die 250 hm wieder zum Atalaya hoch und wieder zurück nach Hause.

Mein Freund schimpft ein wenig mit mir: "Kleine Runde? Das waren jetzt fast 50 Kilometer und 800 Höhenmeter!"

Trotzdem werde ich noch zu ihm nach Hause eingeladen, und wir grillen ein wenig und entspannen bei einer Flasche Vermú.

Fotos habe ich keine gemacht, aber die Kamera nervt mich ohnehin: Beim Sichten der Bilder sehe ich: Trotz mehrfacher, auch professioneller Reinigung ist schon wieder Staub im Objektiv und auf dem Sensor. Ich bin kurz davor, das Teil in den Müll zu werfen.

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