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Sonnenfinsternis Nordspanien

Seit Monaten fiebere ich auf diesen Tag hin, und jetzt ist es endlich so weit! Da das Event des Jahres erst am Abend stattfindet, haben wir Zeit und können auf dem Weg noch eine Sightseeing-Pause in Lerma in der Provinz Burgos machen. Schon von weitem sichtbar ist der Herzogspalast (Palacio ducal de Lerma) – heute ein Luxushotel (Parador). Der Innenhof soll sehenswert sein, aber es findet ein privates Event statt und wir können nicht rein.

Nachdem wir die Kopfbedeckung am Markt vor dem Palast wegen der starken Sonne noch einmal upgegradet haben, wandern wir noch ein wenig durch den Ort. Vom Mirador hat man eine schöne Aussicht, im Schwimmbad unten ist aber vor 12 Uhr noch nichts los.

In der Region gibt es im Wesentlichen Wein – wir sind im Duero-Tal – und Sonnenblumen. Da das Thema des Tages die Sonne ist, müssen wir die vielen Sonnen auch noch fotografieren. Einige schlafen allerdings noch.

Bei der Ruine der Kirche des Erzengels Michael (Iglesia de San Miguel Arcángel) treffen wir einen deutsch-spanischen Freund und seinen Sohn. Wir fahren gemeinsam zum Mittagessen, und schon beim vierten Ladepunkt kann das Auto laden. Den Rant über die bescheidene Ladeinfrastruktur spare ich mir, ich habe mich schon genug mit den armen Seelen vom Repsol-Support gestritten.

Die Kirche jedenfalls ist in etwas besserem Zustand als die Ladesäulen.

So langsam füllt sich der Berg des Ortes Castrojeriz hinter uns, die Guardia Civil hat sinnvollerweise die Auffahrt mit dem Auto verboten und unten eine große Wiese zum Parkplatz gemäht. Von hier sind viele Menschen zur Burg aufgestiegen, oder haben es sich auf dem Rest des Berges gemütlich gemacht.

Gegen 19:30 ist es dann endlich so weit: Der Mond schiebt sich von rechts unten vor die Sonne. Man bemerkt noch nichts, es ist immer noch hell, aber man merkt, wie die Nervosität zunimmt. Staunend stehen wir mit unseren Brillen da und beobachten, wie die kleine Delle an der Sonne immer größer wird.

Die schwarzen Punkte sind kein Dreck auf der Linse und auch keine Pixelfehler, sondern Sonnenflecken, so etwas wie die Blasen in einem Topf Spaghettisauce, und wie wir bald sehen werden, spritzt auch hier die Tomatensoße in der Gegend herum.

4 Minuten vor der Totalität starte ich die Drohne, und natürlich muss ausgerechnet jetzt die Drohnensoftware das Spinnen anfangen: Irgendein Sensor meldet falsche Daten, und die Drohne weiß nicht mehr, wo oben ist, und schießt mit hoher Geschwindigkeit von uns weg. Ich kann sie aber glücklicherweise wieder einfangen, über uns positionieren und dann einfach filmen lassen. Ich habe das von über vier Minuten auf 20 Sekunden gerafft, damit die Generation TikTok nicht sofort einschläft.

Als die Totalität beginnt, hört man überall Jubeln und Klatschen – unter anderem von mir. Doch dann reiße ich die Kamera vom Stativ, weil sie nur noch schwarze Bilder macht. Der Filter fällt ins Gras und ich klicke abwechselnd und staune dazwischen über das unbeschreibliche Schauspiel am Himmel, an dem jede Menge Sterne zu sehen sind.

Viel zu früh drängelt sich die Sonne wieder hinter dem Mond hervor, und wir müssen die Brillen wieder aufsetzen. Ehrfürchtig und leise stehen wir da, und unsere Körper sind verwirrt: Ist jetzt gerade Sonnenaufgang, oder Sonnenuntergang, sagt man jetzt "Buenos días" oder "Buenas tardes"? Auch die Grillen sind verwirrt, sie hatten kurz vor der Totalität angefangen zu zirpen, und verstummen nun schon wieder.

Während die Sonne wieder aufgeht und es wieder hell wird, drehe ich mich um und kucke, was sich auf dem Burgberg so tut. Allein auf der Mauer und dem Balkon zähle ich 77 Personen, auf dem ganzen Berg sind bestimmt eine hohe dreistellige Zahl an Menschen.

Und das mitten im Nichts bei einem Ort mit 800 Einwohnern, Mitte August bei fast 40 Grad im Schatten.

Die Bilder während der Totalität sind natürlich die spektakulärsten – und ein Beweis dafür, dass eine 90 %-Verdeckung und eine 100 %-Verdeckung so unterschiedliche Ereignisse sind wie ein leichter Wind am See und ein Hurrikan. Das kann man nicht miteinander vergleichen.

Die Spaghettisaucen-Spritzer (langweilige Wissenschaftler nennen das Protuberanzen, ich bevorzuge die italo-kulinarische Variante) sind auf einer normalen Kamera natürlich nicht so spektakulär wie mit einem Teleskop von Profis geschossen, aber trotzdem spannend:

Nach nur 107 Sekunden erschien die Sonne bereits wieder, und erzeugte den sogenannten Diamantring.

Bis die Sonne wieder ganz sichtbar ist, dauert es jetzt wieder fast eine Stunde, und ich bin sehr froh, dass sie nicht tiefer stand. Denn eine Mischung aus Waldbrandrauch, Saharastaub und dem normalen sommerlichen Staub in der Luft trübt die Sonne zunehmend. Die Sonne erscheint jetzt diffuser, aber dafür wird der Sonnenuntergang schön gefärbt.

Bevor die Anwälte eines kalifornischen Computerherstellers nervös werden: Nein, das ist nicht euer Logo, ihr braucht mich gar nicht abzumahnen!

Und nur 50 Minuten nachdem es hell wurde, geht die Sonne hinter den Pappeln unter, und es wird erneut dunkel.

Jetzt haben wir noch 220 km Heimweg vor uns, und weil es im Tunnel durch die Guadarrama leider einen schweren Autounfall gab, dauert das bis fast ein Uhr nachts. Vor dem Schlafengehen stehe ich noch 10 Minuten im Garten, um eine Sternschnuppe zu sehen, aber die Perseiden sind dieses Jahr beleidigt, weil die Sonne und der Mond ihnen die Show gestohlen haben.

Was für ein tolles Erlebnis – ich habe das große Glück, nicht nur bereits das zweite Mal (1999 und heute) eine Sonnenfinsternis zu sehen, sondern freue mich schon auf 2027, wo in Südspanien erneut die Sonne verdunkelt wird. Ob ich dann aber die Kamera mitnehme, weiß ich nicht – vielleicht schaue ich dann auf einer Luftmatratze im Meer treibend zu?

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