Der Guadalix ist kein lustiger Knollennasenträger aus Asterix, sondern der Name eines Flusses direkt neben unserem Zuhause. "Guad" kommt vom arabischen "Wad(i)" – Fluss/Bach, und "alisos" sind Erlen, es ist also der Erlenbach. Ob am Ufer heute noch Erlen stehen, ist im Winter schwer zu sagen.
Der Erlenbach bildet kurz vor unserem Dorf einen Stausee, aus dem wir unser Trinkwasser beziehen, und fließt dann durch ein enges Tal an uns vorbei. Heute wollen wir dort hinab und zum nächsten Ort "San Agustín" wandern. Der Herbst ist im Endstadium, die Wiesen werden immer grüner, und dazwischen blitzen immer wieder sehr farbenfrohe Bäume hervor. Einige sind aber auch tiefschwarz, denn im vorletzten Sommer hat hier ein Jugendlicher Feuer gelegt, und das Feuer ist bis auf wenige Meter an die Siedlung gekommen.




Ganz herab zum Guadalix geht es nicht, denn beidseitig entlang des Baches sind dicke Rohre verlegt, die sich weiter nördlich zu mehreren Stauseen verzweigen und eine wichtige Säule in der Wasserversorgung Madrids sind. Was die Autobahnen bei Hitler sind, sind bei Franco die Stauseen: "Aber er war doch nicht nur böse, er hat doch die Stauseen gebaut". Auf diesem Rohr ist ein Wanderweg verlegt, und immer wieder gibt es Zugangshäuschen zur Wartung. Auf der anderen Seite ist es flacher und es gibt weitere Seitentäler, hier sind einige Brücken, um die Wasserrohre gerade über die Täler zu bringen.








Fast überall hier in Madrid wachsen Nadelbäume und andere sehr trockenbeständige Bäume wie Oliven. Entlang des Guadalix gibt es ausreichend Wasser und Schatten selbst im Sommer, und so windet sich entlang des Bachs eine fluffige Schlange an Laubbäumen – vielleicht sogar Erlen.

Nach etwas über 12 Kilometern erreichen wir das Ende des engen Tals, und wir blicken nun über das weite Tal des Jarama. Dort ist zwar nicht viel mehr Wasser drin, aber vermutlich ist der Boden hier weicher, und so bildet der Jarama keine Schlucht, sondern ein über 10 km breites flaches Tal.



Hier fließen die beidseitigen Kanäle zusammen, verbunden durch eine Brücke über den Guadalix. Diese Brücke scheint eine wichtige Verbindung für die Tiere zu sein, ein breiter Trampelpfad fällt auf der anderen Seite steil den Berg herab. Ich dachte erst, die Motocross-Fahrer nutzen das, aber von der Nähe sieht man, dass es zu steil ist, und eindeutig von Füßen (beziehungsweise Hufen) kommt. Ich vermute, dass es Ziegen sind, die gibt es hier auf der anderen Seite in der weiten unbebauten Fläche wild.



Am Ende stürzt der Guadalix noch ein paar Meter die "Cascadas de Hervidero" herab, die "sprudelnden Wasserfälle" – aber um ehrlich zu sein, sind sie nicht besonders spektakulär.
Der Bach fließt dann noch flach und ohne Sprudel als Namensgeber an San Agustín de Guadalix vorbei, bevor er kurz darauf im Jarama mündet.
Wir beenden die Wanderung mit Chipirones (frittierte Tintenfische) in einer der Bars des Ortes, und müssen dann eine Ewigkeit auf den Bus warten, der uns nach Hause bringt. Sonntagsfahrplan …
Insgesamt kommen wir auf über 15 km, und am Abend fehlen mir nur ein paar hundert Schritte zu den 30k.
