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Die letzten Winter-Ausläufer

Der Winter war dieses Jahr in Spanien besonders hart: Überschwemmungen, extrem viel Schnee und Regen. Besonders den Süden hat es getroffen. Eine Ortschaft musste sogar komplett evakuiert werden, weil sie nach langen Regenfällen drohte, komplett abzurutschen. Die Schäden in Spanien werden auf bis zu 5 Milliarden Euro geschätzt.

Bei uns im Dorf war es nicht so wild, aber es hat diesen Winter insgesamt mindestens siebenmal geschneit. So langsam werden die Tage aber merklich länger, und der permanente Regen und das graue Wetter lassen nach. Es wurde sogar schon mal die Sonne gesichtet!

Seit unserem Korea-Urlaub habe ich wieder richtig Lust auf Berge, und auch wenn es heute sehr windig ist, wollen wir wandern gehen. Die Idee hatten wir nicht alleine, und als wir am ersten Pass oben am Parkplatz stehen, ist der rammelvoll. Wir fahren noch ein Stück weiter, aber dort sind wir voll in den Wolken, ohne jegliche Sicht.

Also wieder runter ins Tal, eine bisher unbekannte Straße rein ins Tal und zum Canencia-Pass auf 1.520 m. Auch hier hat es viel geregnet, in der Senke neben der Straße steht das Wasser mit leichter Eisdecke.

Links geht es von der Straße hoch in den Wald, und wir sind froh um die Bäume und den Berg. Der Wind bläst mit Böen von bis zu 100 km/h, laut Wetter-App. Ich vermute, es war etwas weniger, aber nicht viel.

Auf der Hangseite fließt ein Bach auf dem Weg, und überall ist es eisig. Teilweise sieht das Eis wie Nacktschnecken aus.

Doch auch ohne Sonne und bei dem frischen Wind schmilzt es schon überall, unter dem Eis fließt das Wasser und zieht Luftblasen mit. Zusammen mit dem knallbunten Laub darunter sieht das faszinierend aus. Vor lauter Kucken kommen wir kaum voran.

Irgendwann kommt dann doch gelegentlich mal die Sonne kurz raus, aber die nächste Wolke kommt aufgrund des Windes schnell wieder.

Ab 1.650 m laufen wir auf Schnee und um Pfützen, und wir nähern uns der Wolkenuntergrenze. Lustig: Wir sind noch unter den Wolken, aber im Tal ist die Wolkengrenze viel tiefer. Wir kucken also praktisch von oben auf die Wolkenuntergrenze.

Fünfzig Meter unter dem – ich will es nicht "Gipfel" nennen – unter der Kuppe ist der Weg ohne Schneeschuhe nicht mehr begehbar, wir kürzen über die Feuerschneise nach oben ab. Es ist rutschig, und der Wind pfeift hier zapfig durch.

Hinter dem Zaun sind wir auf der Kuppe, aber statt Aussicht gibt es Blick auf Wolke. Der Wind ist so stark, dass man sich kaum unterhalten kann. Und so fliehen wir schnell wieder denselben Weg zurück – abwärts ist das mit meinen Sneakers suboptimal. Vielleicht sollte ich mir doch mal wieder Bergschuhe kaufen.

Das war jetzt vielleicht nicht die spannendste Einstiegswanderung für die Saison, aber der Wetterbericht für die nächsten Wochen sieht nicht schlecht aus. Vielleicht ist dieser nasse Winter wirklich bald vorbei! Und mit weniger rutschigen und nassen Wegen sind dann vielleicht auch mehr als mickrige 200 hm drin!

Dennoch sind wir zufrieden. Es war schön, mal wieder in den Bergen zu sein, und die Eisskulpturen waren den Weg wert. Für eine Schneeballschlacht hat es nicht gereicht, aber nach 6 Jahren Spanien wird Schnee für mich langsam wieder zu einem besonderen Ereignis.

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