Die Feiertage am Jahreswechsel sind ein wenig trist. Es ist regnerisch, kühl und grau – irgendwie Verschwendung von Freizeit, wenn man nicht raus kann. Darum nehmen wir uns doch einen Urlaubstag, und fahren zum Jahreswechsel ans Meer. Von Madrid ist das etwa so weit wie von München an die Adria. Eigentlich würde ich am liebsten "zugen", aber kurzentschlossen und in den Ferien ist uns das zu teuer – also doch mit dem Auto. Nach halbem Arbeitstag machen wir uns auf, und fahren die fast 500 km nach Alicante. Dort kommen wir am frühen Abend in unserem Hotel an, das ganz interessant gelegen ist: Die Serra Grossa, ein 170 Meter hoher Felsen trennt hier die Innenstadt von Alicante von den nordöstlichen Stadtteilen am Playa de San Juan. Zwischen dem steilen Felsen und dem Meer sind ein paar Hochhäuser gequetscht. In dem niedrigsten, aber langgezogenen Haus leben mehrere hundert Familien, 200 Meter lang mit 10 Stockwerken. Ein kleiner Teil davon ist ein Hotel, und dort steigen wir ab.
Von hier sind es etwa 3,5 km bis zum Zentrum, man läuft auf einem Rad/Fußweg am Meer entlang, und erreicht die berühmte Strandpromenade Esplanada de España.


Wir laufen ein wenig kreuz und quer durch die Stadt, es ist schon gut was los; und weil es hier deutlich milder ist, kann man auch draußen sitzen und ein Vermütchen genießen. Alicante ist ein sprachlicher melting pot – man hört Valenciano, eine Variante von Katalonisch, das im Osten Spaniens gesprochen wird, natürlich Castellano ("spanisch"), aber auch sehr viel Englisch. Während die reichen englischen Rentner sich in Malaga finden, ist hier eher der Hotspot der Benidorm-Touristen, die irgendwann einfach nicht mehr heimgefahren sind. Benidorm liegt etwa 40 km Luftlinie die Küste hoch, und man kann von hier aus den markanten Felsen und die Hotelburgen davor sehen. Jetzt in der Nacht natürlich nicht, aber es ist schon sehr auffallend, wie viele Briten hier leben.
Wir sitzen in der zweiten Reihe vom Strand vor einer Bar, und beobachten die teilweise schon gut angetrunkenen Menschen, kaufen uns auch ein bisschen blinkenden Plastikmüll von einem der vielen StraßenverkäuferInnen, und genießen.



Irgendwann ziehen wir zur Esplanada um, essen noch ein wenig Abend, und beobachten weiter die Leute um uns. 5 Meter weiter auf der Parkbank sitzt ein junger Kerl, der besser mehr an seiner Kräuterzigarette hätte ziehen sollen als aus der großen Schnapsflasche. Er erbricht sich mehrfach, steht auf, wankt herum, setzt sich wieder, und will dann eine Kippe anmachen – schafft es aber nicht. Er wankt zu den Tischen, und fragt das britische Paar am Nachbartisch, ob sie ihm die Zigarette anzünden können. "F*ck off!" versteht er sogar in seinem Zustand, und nachdem er sich noch ein paar Mal umentscheidet macht er sich irgendwann vom Acker.
Kurz vor Jahreswechsel wechseln wir zum Strand "Playa del Postiguet" rüber, wo ein paar wenige Feuerwerker Böller und Raketen schießen.


Insgesamt ist jedoch wenig Bumm-bumm, was ich ganz angenehm finde. So um halb zwei sind wir wieder im Hotel, und schon ist es 2026 – die Jahre scheinen immer schneller zu vergehen.
Neujahr
Am Morgen muss Gabi erst einmal ein bisschen arbeiten, aber gegen Mittag können wir los. Das Wetter ist ein Träumchen, die Sonne scheint, es hat um die 16 Grad, und von der Enge zwischen Hochhaus und Felswand laufen wir zum Strand von Albufereta.


Während ich froh bin, keine Jacke zu brauchen, gibt es hier Menschen mit deutlich anderem Temperaturempfinden. Der (oder besser gesagt die – es sind deutlich mehr Frauen als Männer) eine oder andere schwimmt im Meer, das ebenfalls 16 Grad warm ist. Viele tragen kurze Hosen, manche sogar ohne Shirt.


Große Schiffe kommen nicht so viele hierher, obwohl Alicante einen Hafen hat, aber ich vermute, dass Valencia den Löwenanteil abbekommt. Ab und zu kommt aber doch ein kleines Containerschiff vorbei, und Segel- und Sportboote sind einige unterwegs. Auf dem Meer ist es wolkig, und so ist teilweise schwer zu sehen, wo die Grenze zwischen Meer und Himmel verläuft.




Entlang des Ufers geht ein Wanderweg, auf dem ordentlich Verkehr ist – die Leute müssen sich den Kater von gestern wieder ablaufen. Es ist so surreal am 1. Januar im T-Shirt am Meer zu laufen, und immer wieder Leute beim Baden zu sehen.




Der Wanderweg führt uns zum Playa de San Juan, ein kilometerlanger Sandstrand mit Palmen, wo wir uns ein nettes Strandrestaurant suchen. Während wir am Futtern sind, rauscht am Radweg plötzlich ein nur mit einem Tanga bekleideter Mann auf Rollerskates vorbei – unter johlenden Applaus der meisten Gäste. Leider war ich zu langsam, und die Kamera hat auf die Glatze eines Gastes statt auf den Rollerblader scharf gestellt.



Auf dem Heimweg sind wir in einem kleinen Laden, und es wird deutlich, wie viele Briten hier sind. Wir decken uns mit Walkers Salt&Vinegar und Strongbow ein. Ist das hier noch Spanien, oder sind wir schon in Südsüdbritannien? In Alicante direkt leben nur um die 4000 Briten, aber in den Küstenorten nördlich der Stadt stellen sie bis zu 30 % der Bevölkerung.
Auch wenn ich Bergmensch bin, das Jahr mit einer schönen Wanderung und mit gutem Essen und Blick übers Meer zu beginnen – das hat schon was!
