Der kleinere der beiden Großbrände des Juli 2026 ist inzwischen vollständig gelöscht – der große ist noch in Beobachtung, aber praktisch auch gelöscht. El Diario hat ein spannendes Bild in seinem Artikel. Hier sieht man die Ausmaße – von links unten nach rechts oben ist die verbrannte Fläche 40 km lang.

Nachdem es jetzt sicher ist, sind wir heute mal in die Gegend gefahren, um uns selbst ein Bild der Lage zu machen. Wir fahren nicht weit rein, nur einmal um den länglichen Stausee ganz links unten.
Es ist in Madrid immer noch diesig; der Rest des Rauchs vernebelt die Berge. Ich hoffe, dass das bald verschwindet, meine Lunge ist immer noch ziemlich angeschlagen.

Das Dorf Matarrubia liegt noch vor der Brandzone oberhalb des Jarama-Tals. Wenn klare Sicht ist, hat man von hier ein tolles Panorama.
Die ersten verbrannten Wälder sehen wir auf der Straße von Tamajón nach Muriel. Wir sind erst mal verwirrt: Wir hatten erwartet, dass es hier nach Lagerfeuer aussieht, und nur noch schwarze Stumpen aus dem Boden ragen. Ich lerne, dass hier ein Waldbrand oft nur die Nadeln und das Gestrüpp am Boden als Treibstoff nutzt. Das Feuer kann sich mit mehreren Kilometern pro Stunde durch den Wald fressen. Die Baumkronen werden zwar durch die Hitze verkokelt, aber da lebende Nadeln etwa 50 % Wasser enthalten, dauert es, bis die Krone Feuer fängt.
Viele der braunen Kiefern sind aber trotzdem tot und werden die nächsten Monate absterben. Dafür ist der Boden jetzt mit mineralhaltiger Asche bedeckt und die harzverklebten Zapfen platzen jetzt durch die Hitze auf – in wenigen Jahren wird hier wieder ein neuer Wald stehen.
Die noch grünen Kiefern werden vermutlich zum Großteil überleben.





Interessant finde ich, dass die grün-weißen Plastikstraßenbegrenzungen nicht verbrannt sind.
Das Dorf Muriel liegt am oberen Ende des Embalse de Beleña, des Stausees, um den wir heute fahren. Das hat den Ort vermutlich gerettet, denn hier konnten die Hubschrauber Wasser tanken, um es rund um den Ort zu verteilen. Wobei "gerettet" relativ ist: Hier leben noch ein Dutzend Menschen, es gibt keinerlei Infrastruktur wie einen Laden oder gar eine Schule. Im August kommen aber doch jedes Jahr über 200 Besucher, hauptsächlich Familien der übrig gebliebenen Rentner, zum Patronatsfest. Das ist aktuell, und alle verfügbaren Plätze sind zugeparkt. Dieses Jahr wird die Feier wohl emotionaler werden – gerade noch am Schlimmsten vorbei. Aber auch im Ort sind mehrere Brandflächen, das muss wirklich sehr knapp gewesen sein.


Die Straße führt jetzt nach Cogolludo – das LL spricht sich natürlich wie ein J. Der Ort besitzt eine im Krieg gegen Napoleon zerstörte Burg und einen Palast der Herzöge von Medinaceli. Diese Adelsfamilie war ab dem 14. Jhdt. in Spanien extrem einflussreich, viele Hundert Dörfer unterstanden ihnen, und für die Region waren sie in etwa in derselben Liga wie die Wittelsbacher, allerdings ohne eigene Könige zu stellen.
Wir sind beide zu angeschlagen, um Sightseeing zu machen, aber Cogolludo kommt auf meine Liste. Weite Felder sind rund um das auf einem Hügel liegende Dorf gelegen, und der Weg durch die Felder ist so idyllisch spanisch, dass ich vor meinem geistigen Auge einen Sancho Panza auf einem Esel über den Weg reitend sehe.


Dann kommen wir wieder zurück in die Brandzone rund um La Mierla. Wir stärken uns im Gasthof dort mit ein bisschen kaltem Flüssigen, und die Wirtin macht drei Kreuze, als ich sie nach dem Brand frage: Rund um den Ort ist es schwarz und verbrannt.





Ich hoffe, die Natur wächst hier schnell wieder nach, und die Gäste kommen wieder. Wir fahren von hier zum Stausee, und überall sind die Spuren zu sehen.



Am Stausee angekommen ist die Aussicht auf den ersten Blick traumhaft: Blaues Wasser vor der Bergkulisse mit dem markanten Almiruete-Gipfel dahinter, ein paar Einheimische beim Baden. Aber bei genauerem Hinsehen wird das Inferno klar, das hier vor drei Wochen durchgezogen ist.




Muriel liegt am anderen Ende dieses Stausees, und ich kann mir die Angst nicht ausmalen, wenn der Wind die Feuerwalze Stunde um Stunde näher an Dich heranbläst. Was für ein Horror!
Inzwischen hat es 35 Grad, und wir machen uns auf den Heimweg über die flache Hochebene südlich des oberen Jarama-Tals, wo die Straße vor Hitze wabert und kaum Schatten zu finden ist.


