Ende August sind deutliche Zeichen von Herbst zu sehen. Die Blätter werden bunt, die Früchte dick und die Messor-Ernteameisen mähen alle Wiesen. Vor allem die Ameisen sind faszinierend. Ich glaube, in Deutschland habe ich solche Ameisen noch nicht gesehen. Sie schneiden das braune Gras in kurze Stücke und lagern es in Haufen neben dem Eingang zu ihrem Bau. Effektiver als Schafe, und vor allem hinterlässt das keine Köttel in der Wiese.





Man kann jetzt langsam wieder tagsüber spazieren gehen, ohne gegrillt zu werden. Wir nutzen das für Spaziergänge rund um das Dorf und erkunden Ecken, die wir bisher kaum kannten. Von dem Berg mit dem hässlichen, aber wichtigen Wasserspeicher aus hat man eine fantastische Aussicht über das ganze Dorf, dahinter die Berge, aber auch über das weite Jarama-Tal. Auf dem ersten Bild sieht man den Hügel von der anderen Seite der Siedlung, und danach zuerst die alten Weinbauernhäuser, hinter denen Stollen tief in den Berg gehen, um die Weinfässer kühl zu lagern.









Wenn man ins Tal herunterkommt, dann findet man dort dicke Wasserleitungen, die Madrid mit frischem Bergwasser aus den Stauseen versorgen. Früher waren alle paar Kilometer die Wohnhäuser der Menschen, die sich um die Instandhaltung gekümmert haben und den Wasserfluss regulierten. Heute ist das alles automatisiert und zur Instandhaltung kommt man mit dem Auto, und die Häuser verfallen.



Nicht nur die Früchte sind reif, auch die Rehe: Hier zog gerade eine kleine Gruppe an uns vorbei. Grazil und voller Schwung springen sie durch das Tal.
Talamanca de Jarama
Noch weiter unten im Tal, am Jarama, liegt Talamanca. Der Ort besitzt mit der alten Cartuja einen ehemaligen Wirtschaftshof der Kartäusermönche von El Paular, der später als Kulisse für zahlreiche Filme diente – für Deutsche wohl am bekanntesten: Conan der Barbar.
Der Ort ist schön hergerichtet und besitzt viele historische Denkmäler. Neben der angeblich römischen Brücke (die möglicherweise schon in der Römerzeit existierte, deren heutige Bausubstanz aber mittelalterlich ist) auch alte Stadtmauern. Interessanterweise fließt heute unter der Brücke gar kein Wasser mehr: der Jarama ist heute einige hundert Meter weiter westlich, und es gibt hier keinen Übergang mehr.




Hinter diesem Bauernhof liegt der Jarama, und um ihn zu überqueren, muss man eine wackelige eiserne Hängebrücke benutzen.



Auf der anderen Seite wollen wir einem Wanderweg folgen, aber die Route führt erst unbefestigt am Feldrand entlang, und dann sollen wir durch ein dichtes Brombeergebüsch, hinter dem angeblich die nächste Brücke ist. Da drehen wir lieber um, und kehren zum Park neben der "römischen" Brücke zurück. Ganz nutzlos war es aber nicht, denn wir erwischten ein weiteres scheues Reh:

Diesmal habe ich sogar die Zeitlupenfunktion der Kamera rechtzeitig erwischt:
Im Park treffen wir Freunde und drehen noch eine schöne schattige Runde am Jarama entlang, inklusive Kuh und einer Hütte eines kenianischen religiösen Eremiten, der hier wohl mal gelebt hat.
Und nein, wir sind nicht an der Isar, das ist wirklich Spanien!





