Wir planen eigentlich, nach gestern abzubrechen und meine Mutter zur Heilung nach Hause zu schicken. Aber über 30 sind Menschen ja schwer erziehbar, und sie weigert sich bestimmt. Und so laufen wir heute weiter.
Ortsnamen sind fast so kompliziert wie die Menschen, die sie erfinden. Waren wir gestern in Zahora, starten wir heute im nächsten Ort nach Barbate, nämlich in Zahara de los Atunes. Der Name kommt vom Arabischen صحراء, was auf Lateinisch ṣaḥrāʾ – oder europäisiert Sahara – geschrieben wird. Kaum erstaunlich bedeutet das Wort „Wüste“. Zur Zeit der arabischen Herrschaft war die Gegend noch trockener als heute, und die Küste war wüst und lebensfeindlich. Interessant ist jedoch das "de los Atunes" – also "bei den Thunfischen".
Thunfische leben eigentlich in der Karibik, aber jedes Frühjahr schwimmen sie in großen Gruppen ins Mittelmeer zum Laichen. Ende April, also in 1–2 Wochen, kommen sie hier vor der Küste vorbei. Sie schwimmen immer auf der selben Strecke, zwischen einem und zwei Kilometern vor der Küste. Hier sind seit Jahrtausenden große Netzlabyrinthe ausgelegt, und der Mai ist hier ein Festmonat. Der rote Thunfisch wird zelebriert wie Spargel in Deutschland und ist ein wichtiger Bestandteil der hiesigen Kultur.
Wir laufen heute wieder barfuß über den Strand, dieser ist jedoch deutlich schräger als die letzten Tage. So geht es sich anstrengend, aber die Aussicht entschädigt. Vor uns ist inzwischen sehr deutlich Afrika beziehungsweise die marokkanische Küste zu sehen, hinter uns ist der Torre Trafalgar schon ziemlich weit weg.


Wir kommen zur Urbanización Atlanterra. Den Namen haben dem Ort drei Deutsche gegeben, die 1959 ähnlich wie wir eine Wanderung entlang der Küste gemacht haben – allerdings zu Pferd. Sie hatten sich ebenso wie wir in diese Gegend verliebt und beim Mittagessen in Zahara de los Atunes Kontakte zu dem Besitzer des Landstückes aufgenommen. Wieder daheim angekommen gründeten sie die Immobiliengesellschaft Atlanterra ("Land am Atlantik") und begannen 1970 mit dem Bau der ersten Hotels. Heute schmiegt sich der Ort um das Silberkap (Cabo de Plata) mit seiner Bunkerruine am Playa de Atlanterra, wo wir gerade sind, zum Playa de los Alemanes. Während der Atlanterra-Strand eher Hotel-Territorium ist mit Chiringuitos, ist der deutsche Strand eher ruhig und für die Villen dahinter gedacht.
Vor dem Chiringuito steht eine weitere Melqart-Figur, nur scheint der phönizische Gott, der bei den Griechen übrigens Herkules heißt, hier zur besseren Vermarktbarkeit Brüste zu haben.




Am Bunker geht es nicht weiter, und wir nehmen die Stufen zur Straße hoch und verlaufen uns ein wenig im Villenteil der Urbanización hinter dem Strand der Deutschen. Hier leben nicht mehr nur Deutsche, es wird Geld aller zahlungskräftigen Menschen genommen, und ab 2 Millionen kann man sich auch einen Platz am Paradies erwerben.


Am Ende der Siedlung geht ein Fußweg zum nächsten Ort Bolonia. Das sind etwa 5 Kilometer zu Fuß. Mit dem Auto ist man kaum schneller, denn man muss einen großen Bogen durchs Hinterland fahren und ist 40 km unterwegs. Und man verpasst den fantastischen Blick über die Küste, nach Marokko zum Jbel Mousa rüber, und später dann taucht die Düne von Bolonia auf.



Die Landzunge vor dem Containerschiff mit der langen stinkenden Schwefelwolke ist das Ziel unserer Wanderung, Tarifa.
Der Weg ist sehr einfach zu laufen; man kommt am Ziegenbauernhof vorbei, und in den Felsen dahinter leben zahlreiche Geier.



Die Düne zeigt, wie stark der Wind hier oft weht: Kräftig bläst die Levante den Sand 200 Meter weit den Hang hoch. Ein spektakuläres Naturdenkmal. Hier werden wir abgeholt, denn der Hunger ruft.

Mit Blick auf die Düne und den Strand genießen wir das gute Essen und schauen uns danach an, was die Römer hier vor ungefähr 2000 Jahren getrieben haben. Die Ruinen des Ortes geben ein grobes Bild davon, wie die Menschen damals lebten, und das Amphitheater mit Blick über die Schauspieler auf das Meer war sicherlich eine Show!


Für heute lassen wir es gut sein und nehmen auf dem Rückweg zum Hotel noch einen Schluck in der "Alm" oben am Pass mit bester Aussicht.

Auf 16 km kommen wir heute, doch die Beine melden eine weitere Strecke: Das Laufen am Strand war anstrengend,
