Von Bolonia ist jetzt noch ein schöner Wanderweg zu gehen: der Holzbohlenweg, der die Duna de Bolonia mit der "Cowboydüne" verbindet. Die Duna de Valdevaqueros ist nicht so ausdrucksstark, dafür geht eine Straße hindurch, was einen eigenen Charme hat. Aber erst mal müssen wir dort hinkommen.


Aus Bolonia raus geht es den Weg über Weiden und mit weiter Aussicht, bis wir in den Wald mit frühlingshaften Farben eintauchen.



Im Wald geht es dann immer wieder über Stege und Holzbohlenwege hoch und runter. Alles ist topgepflegt und wirklich wunderschön zu laufen. Früher war hier ein Aquädukt, der Bolonia vom Valdevaqueros mit Trinkwasser versorgt hat – im Wald sind noch kleine Reste zu finden.

Nach dem Wald kommen wir nach Punto Paloma, einer Siedlung für Aussteiger: Es gibt hier kein Netz, alles ist sehr improvisiert, und die meisten Häuser sind gut versteckt. Kein Netz? Das stimmt nicht ganz: Mein Handy piept zwei Mal. Ich ignoriere es dummerweise, denn es sind SMS von Telefónica: Die erste sagt: „Du hast schon 40€ Roaminggebühren verbraucht". Sekunden später die zweite: "Es sind jetzt 60 €, wir schalten das jetzt für Dich ab". Im Nachgang war es relativ unkompliziert, dass es mir erstattet wurde: Da hier kein spanisches Netz ist, hat sich das Handy mit einem Turm im 25 km entfernten Marokko verbunden und zu den astronomisch hohen Roaminggebühren ein paar Kilobyte Daten verbraucht.
Vorerst jedoch ärgere ich mich und murmele "So eine Sch…" – doch die Skarabäen stört das nicht.


Die Straße durch die Düne muss offensichtlich regelmäßig freigeschaufelt werden. Ich werde zum Kind und versuche, jauchzend und begeistert die Düne hochzuklettern, aber es ist zu steil. Neben dem Straßenschild rieselt der Sand nach meinem missglückten Versuch noch Minuten nach.
Kurz darauf überqueren wir einen Bach und treffen uns zum Mittagessen mit meinen Eltern. Meine Mutter hat immer noch ein übles Veilchen und sieht aus, als hätte jemand seine Aggressionen nicht unter Kontrolle. Aber sie denkt weiterhin nicht daran, nach Hause zu fahren.


Wir erreichen die "sehr noble, sehr loyale und heroische Stadt von Tarifa". Den Titel bekam sie, weil 1292 Sancho IV. die Stadt und damit die Straße von Gibraltar für die Christen zurückeroberte. Die Stadt ist bis heute gut befestigt, Stadtmauer und Burg auf dem Felsen am Meer, dahinter die noch aktive Kaserne auf der Halbinsel, die den südlichsten Punkt Festlandspaniens markiert.



Vor der Kaserne das Mekka der Kiter: Der Wind pfeift hier über 300 Tage im Jahr, und er lässt die Sportler über 20 Meter hoch springen.
Wir chillen im Chiringuito und stoßen mit einem Strawberry Daiquiri auf das Ende der Wandertage an!


Den Nachmittag laufen wir noch durch den Ort und genießen das schöne Wetter und den Sand auf den Zähnen – am Strand läuft man durch eine stetige Sandwolke. Der Jbel Mousa am anderen Ufer bestimmt den Horizont, und ich habe schon wieder Bock auf eine Reise nach Marokko!




Der Thunfisch ist hier, wie zuvor erwähnt, ein kulturelles Heiligtum. Diese Metallskulptur steht in jedem Dorf hier an der Küste.
Am Abend halten wir uns an die Wünsche der Anwohner: "Tourist, pinkele in Deinem eigenen Haus!" steht an einer Hauswand, die offensichtlich Wildbieslergeplagt ist.

Am Ende kommen wir heute auf mickrige acht Kilometer, aber das hier war ja nie ein Wettrennen – wir wollten einfach die schönsten Abschnitte der Route genießen.