Der letzte Morgen auf dem Rooftop mit der schönen Aussicht hat keine so schöne Aussicht. Es hat am frühen Morgen geregnet, und es ist noch neblig.

Die heutige Strecke ist ein weiteres Highlight: Es geht von Los Caños de Meca auf die bis zu 100 Meter hohen Klippen. Der Name des Ortes ist lustig: das Mekka bei den Quellen. Es ist ein Mekka für Kiter und Surfer, nicht ganz so sehr wie Tarifa, aber der Strand hier ist schön und der Blick auf den Torre de Trafalgar schadet auch nicht. Und wie gestern schon gesagt: Gute Strandbars gibt es hier auch 😉
Zu viert steigen wir den Weg hoch Richtung Klippen, bis meine Eltern irgendwann umkehren. Es geht durch dichten Pinienwald, und immer wieder gibt es Stichwege zur Abbruchkante. Uiuiui, da geht es ganz schön weit runter!




Auf dem Bild sieht man hinter den Klippen den nächsten Ort, Barbate. Dahinter kommen noch zwei Hügelketten, dann ist man schon in der Bucht von Tarifa.
An der höchsten Stelle der Klippen steht der Torre del Tajo. Damit ist nicht der Fluss Tajo/Tejo gemeint, der von den Bergen östlich von Madrid nach Lissabon fließt, sondern Tajo bedeutet "Abbruch" oder "Einschnitt", also eine steile Klippe. Somit ist der Name sehr passend.


Hinter dem breiten Strand von Barbate (Minz-Strand, Playa de la Hierbabuena) geht es wunderschön und bei bestem Wanderwetter bergab. Der Ort Barbate ist allerdings nicht sehr spektakulär, und so beschließen wir, stattdessen ein wenig ins Hinterland auszuweichen. Meine Eltern haben schon vorerkundet. Der Ort Vejer ist wie Conil weiß getüncht, aber nicht am Meer, sondern 10 km davon weg auf einem steilen Hügel.




Oberhalb des Plaza de España, dort, wo die braune Mauer ist, gibt es einen Balkon mit Aussicht über den Stadtplatz. Das Geländer ist mit einer schrägen Metallstange nach hinten befestigt. Das macht das Geländer zwar stabil, ist aber eine böse Stolperfalle. Meine Mutter dreht sich vom Geländer weg, macht einen Schritt und liegt eine Sekunde später flach am harten Steinboden. Sie hat mit vollem Schwung geprüft, was härter ist: Boden oder Stirn. Der Boden gewinnt, und ich rufe sofort einen Krankenwagen.
Trotz der verwinkelten und steilen Straßen ist er nach wenigen Minuten da, und wir rasen ins Krankenhaus. Dort geht alles eben so schnell: Vom Notruf bis ich sie aus dem Röntgen abhole, dauert es nur rekordverdächtige 34 Minuten. Danach muss sie noch ins MRT, und nach 2 Stunden dürfen wir zu unser aller Erstaunen wieder raus. Der Unterarm ist gebrochen, und sie hat eine enorme Beule am Kopf, dazu natürlich Gehirnerschütterung. Aber glücklicherweise nichts, was nicht wieder heilen kann.
Die nächsten Tage sieht sie schlimm aus: Gips am Arm, und das Blut von der Beule läuft hinter der Haut langsam nach unten – so ein Veilchen habe ich noch nicht gesehen.
Ich bin wirklich froh, dass das vergleichsweise glimpflich ausging, auch wenn es sicherlich äußerst schmerzhaft ist. Eine Zeit lang hatten wir große Angst um sie. Das war knapp am Unglück vorbei geschrammt!
