Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Ferien in Iberien

Zu Gabis Geburtstag wollten wir dieses Jahr mal nicht auf das Frühlingsfest, sondern ans Meer, Sonne tanken. Lissabon hatte es uns angetan, aber der Flug München-Lisboa war uns zu teuer. Nach einigem Hin- und Herprobieren kamen wir auf eine Lösung, die uns Beiden was bot: Nach Madrid fliegen, dort einen Mietwagen nehmen und nach Lissabon fahren. Billiger als der Flug nach Lissabon und dafür darf ich ein wenig „Erfahrung“ sammeln.

Interessanterweise waren unter den billigen Flügen nach Madrid einer mit Zwischenstopp in Lissabon (Erm, MUC-LIS-MAD ist billiger als MUS-LIS?) und einer über Kiew. Wenn ich auf die Karte kucke, dann ist Kiew so ziemlich genau so weit Richtung Osten wie Madrid in Richtung Westen liegt. Also fast dreifache Strecke, wieso ist das billiger als die meisten Direktflüge? Ich werde Flugpreise nie verstehen!

Wir haben keinen der Beiden genommen, sondern einen abendlichen Direktflug in den sonnigen Süden!

Was wir im Januar beim Buchen nicht vorher gesehen haben: Der April macht, was er will. Und so ist als wir losfliegen Madrid tatsächlich der kälteste Ort Festlandeuropas. Kaum zu glauben! Selbst das 3000km weiter nördlich liegende Oslo ist 6 Grad wärmer, und sonnig.

Die Stewardessen können es auch nicht glauben, und einer entfährt ein „Boah krass, kuck Dir an wie das hier regnet!“

Wir lassen uns die Urlaubslaune aber nicht vermiesen. España! Vacación! Olé!

Am Morgen entscheiden wir nach Blick auf die Wetterkarte spontan, unsere geplante Reiseroute rückwärts zu fahren, um in Lissabon der nächsten Regenfront zuvor zu kommen. Und so geht es in Richtung Nordwesten an Madrid vorbei zum…

Valle de los caidos

Offiziell ein Denkmal für die Gefallenen des Bürgerkriegs ist es tatsächlich ein Denkmal und das Mausoleum für General Franco, den spanischen Diktator.

Eingang zur im Tunnel gelegenen Gedenk-Kathedrale

In einem schönen Nationalpark gelegen hat Franco hier Zwangsarbeiter ein monumentales Denkmal erbauen lassen, inklusive einem über 150m hohem Kreuz oben auf dem Berg. Dummerweise liegen die feuchtkalten Wolken heute so tief, dass man das Kreuz nicht mal erahnen kann. Auch der Blick über das Tal ist ein wenig getrübt:

Die schöne Frau im Vordergrund entschädigt für den fehlenden Hintergrund

Über dem Eingang in den Tunnel hütet Maria einen Gefallenen Soldaten.

Zum Kreuz hoch gäbe es eine Standseilbahn, aber da die Aussicht fehlt lohnt auch die Fahrt nicht. Das Funicular ist geschlossen.

Enttäuscht, aber trotzdem beeindruckt von der Kathedrale im Berg und gegruselt von dem faschistischen Wahn – mit nach wie vor voller Rückendeckung der Kirche – fahren wir weiter Richtung Westen.

Salamanca

Die Kulturhauptstadt 2002 und Weltkulturerbe Salamanca ist eine kleine Stadt mit der ältesten Universität Spaniens und (vorwiegend klerikalen) wunderschönen Bauten. Auf dem Weg dorthin kommen wir aus den Wolken heraus, die immer noch bedrohlich und drückend über der Landschaft hängen.

El Toro ist allgegenwärtig!

Wir fahren einen Opel Crossland X, ein kleiner, günstiger SUV, der auch in Spanien gebaut wird.

Putziges kleines Schnauferl!

Für so ein günstiges Auto ist die Ausstattung beeindruckend. Schlüssellos, Touchscreen Navi, Einparkassistent, … Vor allem Letzterer bringt mich zum Staunen. Hinten sind Kameras montiert, die die Strasse filmen, und beim Rangieren wird das umgerechnet in eine Vogelperspektive:

Ich kann also auf dem Monitor kucken und das Auto wie im Computerspiel von oben lenken. Das ist … Magie! Ich will jetzt nur noch rückwärts fahren, das macht Spaß!

Ich muss dennoch aussteigen, wir wollen ja Salamanca anschauen:

Bereits auf dem Weg zu Stadt fiel uns auf, dass hier sehr viel mehr Vögel als in Deutschland leben. Richtige Begeisterung kam auf, als wir einen Storch fliegen sahen! Und noch einen! Und noch einen! Und da, da ist ein Nest!

In Richtung Westen sieht es heller aus, und so fahren wir weiter in Richtung Portugal. Nach wie vor ist praktisch kein Verkehr, und so ist das langsame 120km/h-Trödeln auf der leeren Autobahn sehr ermüdend. Wir wechseln die Seiten, und ich schlafe auf dem Beifahrersitz praktisch sofort ein.

Als wir die portugiesische Grenze erreichen übernehme ich wieder, und biege von der Autobahn auf die Nationalstrasse N17 ab. Gabi schwant Böses, als die Strasse erst mal recht schmal wird:

Aber diesmal bleiben wir nirgendwo stecken, und die Strasse wird auch bald wieder breiter. So langsam bilden sich Lücken in der Wolkendecke, und die Landschaft ist weit und einladend.

Die Strasse windet sich erst einen kleinen Berg hoch, und es geht dann oben mit tollen Panoramen am Tal entlang. Das lenkt ab, denn wenn man auf der anderen Seite aus dem Auto sieht, erheben sich die Gipfel des Nationalparks „Serra da Estrela“.

Das Abendessen genießen wir am Strassenrand mit tollen Panorama und Blick auf die Monolithen, die hier überall rumliegen.

Am Abend erreichen wir nach 600km Coimbra, dass wir uns morgen früh ansehen wollen.

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