Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Coimbra und Lisboa

Coimbra erinnert mich an das Leipzig der 90er Jahre. Viele Häuser stehen leer und die Natur erobert sie zurück. Offensichtlich ist der Ort knapp bei Kasse und kann sie den Unterhalt seiner Sehenswürdigkeiten nicht leisten. Das „Manga Cloister“ – ja, das heißt wirklich so – ist ein Brunnen. Manga ist der Hemdsärmel, und darauf hat der König Joao III wohl mit seinem Stift rumgekritzelt. Nach diesem Doodle wurde der Brunnen gebaut, und wenn Joao heute den Zustand sähe, würde er wohl weinen. Schimmel an den Wänden, Blumen wachsen aus dem Dach. Leider ist der Zustand bei vielen anderen Häusern nicht besser.

Wir frühstücken in einem kleinen Lokal mit sehr rustikalem Charme, die einzigen beiden Tische sind zwischen Küche und Tresen neben den Toiletten. Auffallend ist, dass wir die Einzigen sind, die ohne Alkohol frühstücken. Bei Betreten um 8 Uhr morgens war ich schon verwundert, dass die Bedienung einem Gast gerade ein Bier hinstellt, aber als unser Tischnachbar sich noch ein zweites Glas Rotwein bestellt hat, musste ich nochmal auf die Uhr kucken, ob nicht doch schon 8 Uhr Abend ist!

Da der Ort nicht so einladend ist starten wir nach dem Frühstück nach Lissabon durch. Die 250km düsen wir über die Autobahn relativ unspektakulär, und machen kurz vor Lissabon einen Haken über die Ponte Vasco da Gama auf die andere „Fluss“-Seite. Der Rio Tejo weitet sich hier zu einer breiten Bucht, und so ist die Brücke über den Fluss 17km lang!

Ein weiter Bogen um die Hauptstadt führt uns von Süden nach Almada, der Stadt gegenüber Lissabon. Dort steht der Cristo Rei, eine Kopie des Cristo Redentor aus Rio de Janeiro.

Almada

Cristo Rei

Portugal hatte Anfang/Mitte des letzten Jahrhundert den Anschluss an die industrialisierten Staaten verloren, und die Salazar-Diktatur machte das nicht besser. Ob das der Grund war, warum die beiden wichtigen Bauten dieser Zeit Kopien sind kann ich nur vermuten. Aber die Golden Gate Bridge neben Cristo Redentor zu sehen ist schon bizarr. Architekt der Brücke ist übrigens der selbe wie beim Original in SF.

Ponte 25 de Abril

Trotz religiösem Wahn und aus Lautsprechern schallenden Chorälen fahren wir nach oben, denn die Aussicht 113m über dem Wasser ist bei dem heute blendendem Wetter unschlagbar.

Wie schon oben im Bild zu sehen ist gerade Flut, das Wasser strömt schnell flussaufwärts. Etwas weiter rechts sind Untiefen, hier bilden sich sogar Flutwellen landeinwärts.

Noch weiter rechts hinter Almada liegt der Militärhafen.

Hinter Lissabon sieht man die Segel des ersten Teils der Vasco da Gama Brücke, über die wir vorher gefahren sind.

Auf dem Wasser tummeln sich Schiffe aller Größe, aber so richtig viel Warenverkehr ist nicht zu sehen. Das verwundert mich, ich hätte hier mehr Containerschiffe erwartet.

Dafür ist am Himmel viel los, ein Flieger nach dem Anderen fliegt flach direkt über die Stadt.

Am Ufer gegenüber ist das Padrão dos Descobrimentos zu sehen, ein Denkmal zu Ehren der portugiesischen Seefahrt und Entdeckungen.

Hatte ich erwähnt, dass heute strahlend schönes Wetter ist? Ob uns das wohl der Erlöser gesandt hat?

Wir genießen die Strahlen sehr, und fahren nun über das Golden-Gate-Replika nach…

Lissabon

Zuerst besuchen wir den Parque Eduardo VII, der oben am Berg zum Fluss abfallend verläuft und einen schönen Ausblick bietet.

Weiter unten biegen wir ab, und da die Stadt wie Rom auf sieben Hügeln erbaut ist, geht es sofort steil bergauf. Zum Jardim de São Pedro de Alcântara würde eine Standseilbahn fahren, aber hier steht eine lange Touri-Schlange an. Wir laufen durch das Graffiti-Künstlerviertel hoch und genießen die Aussicht und den Blick auf den Markt am Platz.

Ein wenig weiter südlich wollen wir die berühmte Tram 28 nach Alfama nehmen, aber nachdem die Dritte einfach vorbei fährt – der Fahrer zuckt jeweils mit den Schulter und deutet hinter sich auf die völlig überfüllte Bahn – nehmen wir ein vorbei fahrendes Tuktuk.

Diese Touristentransporter fahren in der Innenstadt überall herum und sind elektrisch betrieben. Deutlich teuerer als Taxen bieten sie neben dem abenteuerlichen Transport auch meistens weibliche Fahrerinnen mit viel Text.

Wir lassen uns für 40€ (Sonderpreis! Kostet eigentlich 70€! Ich würde ja auch weniger machen, aber das Tuktuk wird GPS-überwacht und mein Chef wird sonst böse!) eine Stunde von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt fahren und am Ende noch 10 Minuten hektisch durch die Gassen von Alfama geleitet. (Sorry, mein Akku ist leer, aber ich zeige Euch das einfach zu Fuß!)

Am Horizont Ponte de 25 Abril und Cristo Rei, davor die Altstadt von Lissabon.
Enge Gassen in Alfama, dieses Bild hat Seltenheitswert weil kein Touri zu sehen ist!

Anschließend nehmen wir ein Taxi zum Auto zurück, denn das ist nicht nur billiger sondern auch deutlich schneller als öffentliche Verkehrsmittel. Der Fahrer lässt sich auf dem Handy zeigen wohin wir wollen und sagt: Wird 5€ kosten. Zackig fährt er uns dorthin, das Taxameter zeigt €5,70. Leider hat er falsch verstanden und wir sind noch nicht einmal die Hälfte der Strecke weit gekommen. Das war keine Masche, sondern ist ihm sichtlich hochnotpeinlich. Er hatte 5€ versprochen, und jetzt will er keinen Cent mehr verschwenden. Mit teilweise fast 100km/h fährt er uns wie Jason Statham in „Transporter“ alle Verkehrsregeln ignorierend und um enge Kurven rasend zu unserem Ziel. Als er dann auch noch vor lauter Schnellschnellschnell in eine Sackgasse fährt und mit rotem Kopf umdrehen muss, muss ich ihn bremsen. Mein Puls steigt auf gefährliche Werte als er so nervös wird, dass ich ihm sagen muss wohin er fahren muss und er Slalom um alle Hindernisse fährt.

Als das Ziel sichtbar wird haut er auf den Taxameter – der Rest ist umsonst. €9,10, ich drücke ihm €10 in die Hand und wir schauen, dass wir schnell aus dem Auto kommen. Ein schneller Check zeigt: Alles noch dran, wir haben die wilde Fahrt überlebt!

Apropos Jason Statham und Transporter: Ratet mal, was gerade auf BBC läuft…

Ach, und weil die Strelitzie so schön vor der grünen Wand geblüht hat noch ein Bild.

Und eine Vase lag auch rum.

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