Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Cabeza Lijar

Im November war ich mit einem Freund Über den Wolken…, heute sind die wenigen Wolken viel höher, aber auch sonst hat sich der Berg seit Mitte November sehr verändert.

Gleich geblieben sind die Bussarde, die hier über den Alto del Léon-Pass gleiten.

Neu sind die Schlittenfahrer und das dazu nötige Material.

Schon in Madrid war auf den Schautafeln über der Autobahn angeschrieben, dass der große Bergparkplatz an der Puerta de Navacerrada überfüllt ist, und auch hier haben wir Glück noch einen Parkplatz zu bekommen. Die Spanier sind für den Winter uniformiert angezogen, wir sehen so viele Overalls, dass wir uns beide in die 90er Jahre zurückgebeamt fühlen.

Alle freuen sich über den Schnee, Kinder wie Väter spielen ausgelassen im Schnee, von Plastiktüte über Pappkarton bis Plastikbob wird alles benutzt um auf und neben dem Weg den Berg herunter zu rutschen. Auf dem Hinweg sehen wir ein Quad, dass einen Bob zieht, auf dem Rückweg kommt uns ein Auto mit drei dahinter gespannten Bobs und nicht mehr so jungen, aber dafür lauthals jauchzenden Fahrern entgegen.

Es ist ein Winterwunderland!

Wir verlassen bald den Waldweg und folgen dem Trampelpfad, der entlang der Grenze zwischen der Communidad de Madrid und Castilla y Léon verläuft. Natürlich ist hier eine Mauer!

Erst geht es auf den Cerro Piñonero hoch, dessen „Gipfel“ einfach nur eine Waldlichtung ist. Bereits von hier hat man eine tolle Aussicht, im Norden ist deutlich durch die Fernsehantennen der Bola del Mundo zu erkennen. Im Osten sieht man die Autopista 6, die sich unter uns durch den Berg tunnelt.

Auf der anderen Seite geht es auf einen Sattel herab, und dann nochmal 250hm auf den Cabeza Lijar (Schleifkopf).

Der Weg wird zunehmend zufälliger, mal folgt man gut ausgetrampelt vorherigen Wanderern, dann gehen die Spuren auseinander und man folgt der Spur, die man für am sinnvollsten hält. Es sind kaum noch Leute hier, ein paar Wanderer, aber auch ein Mountainbiker, der sein Rad aber die meiste Zeit zu tragen scheint, und ein Tourengeher – der seine Ski die steilen Stellen auch heruntertragen muss.

Der Schnee wird sowohl am Boden tiefer, teilweise sinkt man knietief ein…

…als auch an den Bäumen und Büschen immer skurriler. Mal scheint es, als lägen hier millionen Glassplitter, dann scheinen die Bäume Federn zu haben, irgendwann sieht es dann aus als habe ein Feuerwehrler Spaß mit Löschschaum gehabt. Jedenfalls glaube ich, dass viel von dem Schnee nicht vom Himmel gefallen ist, sondern kondensierte Luftfeuchtigkeit ist und hier an Bäumen und Steinen auskristallisiert ist.

Selbst am Grenzzaun zieht der Wind Kristalle.

Oben am Berg ist ein aus dem Bürgerkrieg übrig gebliebener Bunker mit Aussichtsplattform darauf, man sieht sowohl die westliche Ebene von Segovia (aber leider die Stadt nicht, sie ist durch einen Berg verdeckt) als auch im Osten nach Madrid. Im Norden ist das Peñalara-Massiv, im Süden das riesige Franco-Gedenkkreuz und weiter hinten die Hausberge von Ávila.

Und hier hat der wildgewordene Feuerwehrmann mit seinem Löschschaum wirklich ganze Arbeit geleistet!

Der Schnee sieht so anders aus als in den Alpen, und auch das Wärmegefühl ist vollkommen schräg. Wir sind etwa 900m oberhalb der Gemeinde Guadarrama, und dort hat es -1 Grad – also wird es hier oben irgendwas zwischen -5 und -10 Grad haben. Es fühlt sich aber definitiv nicht so an, die trockene Luft und die spanische Sonne lassen keinen Frost aufkommen. Nur als es beim Abstieg kurz windig wird fröstelt es kurz.

Statt über den Trampelpfad zurück steigen wir auf der Südseite ab und folgen dann dem Waldweg im Bogen um die beiden Berge. Das geht deutlich schneller, aber dafür ist der Weg langweiliger und rutschiger – einmal macht mein Gesäß mit einer Eisplatte Bekanntschaft, danach gehe ich noch vorsichtiger.

Nicht so einfach, denn es ist schon 5 Uhr, und das Frühstück lange her. Gabi rennt hungrig in einem Mordstempo zurück zum Pass, auf dem ein Grillrestaurant lockt. In Spanien fehlen definitiv die Berghütten, die den Aufstieg belohnen!

Der Cabeza Lijar entwickelt sich zu meinem Lieblingsberg, spannender Aufstieg, tolle Aussichten. Beide Ausflüge hierher waren der absolute Hammer, mal sehen wie sich der Berg im Frühjahr und Sommer gibt!

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