Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Christopher Street Day Pride Parade

Zum fünfzigsten Mal jähren sich die Proteste rund um die Razzia im Stonewall Inn in der New Yorker Christopher Street. Seitdem ist in einigen Teilen der Welt viel passiert, sowohl gesetzlich als auch in den Köpfen vieler Menschen.

Heute feiern hier Heteros, Homos, Bisexuelle, Pansexuelle, Asexuelle und was es sonst noch für Schubladen für menschliche Lust und Liebe gibt ein Fest. Ja, der CSD ist heute glücklicherweise mehr Fest als Demo, auch wenn das immer noch Teil des Umzugs ist, und leider immer noch notwendig. Und das freut mich, denn ich konnte noch nie verstehen, und es konnte mir noch nie jemand erklären, warum es schlecht sein soll, wenn zwei Menschen sich gern haben.

Und darum feiere ich, dass auf dem Umzug nicht mehr nur queere Menschen teilnehmen, und vom staunenden Publikum begafft werden. Immer mehr fällt mir auf, dass unter den Teilnehmern von CSD-Umzügen auch Männer sind, die Frauen küssen – also sogenannte „normale“ Menschen. Wobei der Begriff Mann und Frau – und auch das ist ein positiver Effekt der Parade – ja offensichtlich nicht praxistauglich ist. Bei vielen Teilnehmern grübelt man lange nach, ob das jetzt wohl ein Mann oder eine Frau ist. Und die einzig sinnvolle Antwort ist aus meiner Sicht: Das ist nicht wichtig!

Die Parade besteht aus vielen tausend Menschen, und jeder Einzelne von Ihnen ist toll. Da sind Menschen dabei, über die man schmunzeln muss. Andere sehen so sympatisch aus, dass man sich sofort vorstellen kann, mit Ihnen was trinken zu gehen. Bei manchen schüttelt man den Kopf, bei anderen hat man Respekt. Bei einer ganzen Menge bewundert man den Mut, den sie aufbringen, sich so zu präsentieren.

Ein weiterer Nebeneffekt der beim CSD gezeigten nackten Haut (hier in Hamburg übrigens erstaunlicherweise viel weniger als in München): Man schließt Frieden mit den Makeln des eigenen Körpers. Wenn dieser Mensch sich traut seinen Speck zu schütteln, oder seine Cellulitis prominent zu präsentieren, warum mache ich mir dann Gedanken?

Ich habe heute jedenfalls ganz viele tolle Menschen gesehen, und tolle Gesichter mit Charakter.

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Thema von Anders Norén