Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Mit Schiffen radeln – Teil 4 – Von den Franken zu den Frankfurtern

Die Nacht ist kurz, nach unruhigem Schlaf weckt mich um 6:15 die katholische Kirche mit lauter Glocke. Mein Körper steht auf und versucht den Geist auch zu wecken, aber der will nicht. Und so legt sich der Körper auch wieder hin, bis um kurz vor 8 auch der Geist erwacht.

Nach schnellem Frühstück und ein wenig Verwunderung über die kühlen Temperaturen geht es los. Gestern Abend war es hier deutlich heller.

Zurück ins Maintal

Eine halbe Stunde später erreiche ich den Main, und quere ihn gleich an der „blauen Brücke“.

Dahinter liegen ein paar kleine Seen, in denen man auch baden könnte. Aber leider ist das Wetter nicht entsprechend. Es nieselt immer wieder mal ganz leicht, und hat unter 20 Grad. So fahre ich von einem Dorf in das nächste, und es ist alles recht unspektakulär und ganz wenig Aussicht.

Vorort von Aschaffenburg

In einem Fahrradladen pimpe ich meine Ausrüstung noch ein bisschen – Am Lenker padding-left und padding-right um 3mm erweitert. Außerdem bessere Schuhe mit stabileren Sohlen und eine neue Radlhose. Das tut bei der Weiterfahrt vor allem an den Händen ganz gut, denn die Rache der Insekten kam heute Nacht. Ich habe einige Stiche an Armen und Beinen, die nicht weiter schlimm sind, aber der im Handballen ist lästig, genau dort wo die Hand am Lenker aufliegt.

Bei Kahl am Main verlasse ich das wilde Frankistan und erreiche Hessen. Wirklich ändern tut sich nicht sichtbar etwas, und ich muss auch nicht durch die Seehofer’sche Grenzkontrolle!

In Krotzenburg ist eine Staustufe, und hier wird gerade eine kleine neue Betriebsbrücke gebaut. Ich schaue ein paar Minuten zu, sieht spannend aus!

Als ich an Hanau vorbei fahre, klaren die Wolken endlich ein wenig auf, und gelegentlich sieht man ein paar schöne Bauwerke.

Ab Offenburg merkt man, dass hier die Entenfütterer aktiver sind, denn hier sind einige bettelnde Vogelkolonien, und es wird städtischer.

Der Offenbacher Hafen wird wohl als solcher nicht mehr benötigt, und nun nach Hamburger Vorbild umgewidmet. Es ist noch viel am Entstehen, aber man sieht, wo es hin gehen soll. Garantiert kein billiges Pflaster, aber einladend und schön angelegt.

Hafen Offenbach. Nicht ganz wie HafenCity Hamburg, aber sieht aus als würde das schön dort.

Nach 85km erreiche ich am frühen Nachmittag die Frankfurter Skyline, und nach einem kurzen Abstecher in eine Wäscherei (Für eine Woche hab ich nicht genug Kleidung dabei, und ich bin etepetete und hab gerne täglich frische Klamotten) und ins Rotlichtviertel zum Mittagessen kucke ich bei CHECK24 Frankfurt vorbei. Ich will Kollegen besuchen und paar liegen gebliebene Sachen erledigen. Warum zum Mittagessen ins Rotlichtviertel? Weil der Weg dort durch führt, und Koks und Nutten halt zu Frankfurt dazu gehören. Wobei, wenn man sich so umkuckt, sieht mir mehr nach Heroin und Strichern aus. Glücklicherweise verkaufen sie aber auch labrige Pizza!

Am Abend treffe ich mich noch mit netten Menschen zum Essen, bin aber ein wenig spät dran. Gut, dass ich die Tasche und sogar meine Kamera (!) im Hotel gelassen habe, es fühlt sich ohne Gepäck an, als hätte ich den Anker gelichtet. Mit Vollgas geht es 15km quer durch den Westen Frankfurts, teilweise über gefühlte Schleichwege, teilweise schön an der Nidda entlang. Dort stehen einige Menschen und glotzen aufs Wasser – im Wasser spielt, als wäre es ganz allein, ein Nutria und spritzt rum! Und ich habe weder Zeit noch Kamera dabei!

Als wir nach leckerem Essen in der Wirtschaft zahlen wollen, beginnt es pünktlich so richtig schön zu regnen, und ich spiele mit dem Gedanken, die Bahn zu nehmen. Aber der nächste Zug kommt erst in einer Viertelstunde, und so stürze ich mich in die Fluten. In der Packtasche, die ja im Hotel liegt, wäre meine Regenausrüstung, aber so schlimm ist es nicht, ein bisschen Regen bringt mich nicht um.

Und so komme ich heute trotz drei Stunden im Büro und dem Vorsatz nun mal piano zu machen doch noch auf 117km – allerdings ohne nennenswerte Steigungen.

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