Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Rund um den Embalse de Arrocampo

Östlich von Monfragüe liegt bei Almaraz ein Stausee. Mehrere kleine Flüsse werden hier vor dem Zusammenfluss mit dem Tajo nochmal aufgestaut, neben Wasserversorgung für Mensch und Felder vornehmlich um ein Kühlwasserbecken für das AKW Almaraz zu erschaffen. Hier wird fast ein Zehntel des spanischen Stroms produziert.

Wir lassen das Auto vor dem Hotel stehen und laden die Räder ab, es geht erstmal mit Rückenwind und leicht bergab schnurgerade mit hoher Geschwindigkeit Richtung Westen. Neben Atomstrom wird hier auch die Fusionsenergie der Sonne angezapft, vermutlich freuen sich die Rinder sogar über die schattigen Plätzchen unter den Kollektoren!

Nach kurzer Zeit fahren wir durch Saucedilla, ein süßes kleines Dörfchen am Nordende des Stausees.

Danach wird es einsam, auf der Westseite des Stausees sind wir fast komplett alleine. Dafür gibt es jede Menge Tiere zu sehen. Die Landschaft ist geprägt von vielen kleinen Seen und Tümpeln, und Enten, Reiher und Störche fühlen sich hier offensichtlich pudelwohl!

Einer der Seen hat einen Ausfluss wie eine Badewanne, es ist interessant wie sich das Wasser über die Ausflusskante biegt.

Wie überall in Spanien ist hier alles Land in Privatbesitz und umzäunt. Das nervt, wir fahren mehrere Kilometer in die falsche Richtung weil es einfach nicht weiter geht. Ein Pickup biegt aus der richtigen Richtung auf unseren Pfad, aber er schließt das Tor hinter sich. Wir folgen ihm, und nach kurzer Zeit kommt er uns wieder entgegen. Ich winke ihm, um ihn zu fragen wie wir hier rauskommen, und das ist gut. Der Fahrer war umgedreht um uns eine Standpauke zu halten – offensichtlich haben wir irgendwo unbemerkt „Privatbesitz“ betreten und sind auf seinem Claim. Mein Hilferuf stimmt ihn gnädig, und er öffnet uns ein Tor um uns wieder auf öffentliches Land zu lassen.

Durch Kuh- und Pferdeherden geh es zwischen Stausee und einem anderen See zum Südende, wo wir wieder auf die Straße treffen.

Die 12 Kilometer zurück zum Auto sind nun größtenteils entlang der Landstraße am AKW vorbei, das ist schnell und weniger holprig, aber dafür langweilig.

Central nuclear de Almaraz

Auf dem Heimweg nach Madrid fahren wir an Talavera de la Reina vorbei, einer 80.000 Einwohner Stadt mit dem Charme eines verschlafenes kleinen Vororts – der Bär steppt woanders. Hier ist praktisch nichts los, aber man hat dennoch vor 15 Jahren beschlossen, dass man eine Umgehungsstraße braucht. Weil diese über den Tajo führt, musste eine Brücke her – aber nicht irgendeine Brücke. Ein 192 Meter hoher Pfeiler mit 152 Kabeln trägt die Brücke von weither sichtbar über den Fluss. Und so sorgt die Puente de Castilla-La Mancha jetzt dafür, dass die Laster jetzt nicht mehr durch die Stadtmitte fahren.

Jetzt muss nur noch Verkehr kommen, derzeit kann man auf der Brücke picknicken ohne von lästigen Autos gestört zu werden. Ich habe auf der vierspurigen Schnellstraße einfach angehalten um dieses Foto zu schießen – man stört ja niemanden.

Und so wird klar, warum Spanien ein Jahr nach Baubeginn in die Immobilienkrise gerutscht ist – wenn man um die Bauwirtschaft zu stabilisieren komplett am Bedarf vorbei investiert, dann ist halt irgendwann das öffentliche Geld leer. Aber der Bauunternehmer und sein Politiker freuen sich.

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