Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Schlammschlacht in der Wildnis

Heute war ich Baby-Kucken – ein Kollege ist frischgebackener stolzer Vater. Heute ist schon der zweite Anlauf eines Baby-Präsentations-Picknicks, der erste Versuch ist dem Wetter zum Opfer gefallen. Heute ist gutes Wetter, und so fahre ich mit dem Rad in die Stadt. Wir wollen uns in der Dehesa treffen, der Name des Parks bedeutet „Weide“, kann aber auch „Wildnis“ bedeuten, und er ist anders als der Parque de Oeste oder gar der Retiro nicht angelegt und – für spanische Verhältnisse vollkommen ungewöhnlich – nicht mal umzäunt!

Bevor ich beim Picknick ankomme, muss ich erst über den „Cerro de los Locos„. Dieser Hügel war vor 100 Jahren das „Freiluft-Fitnessstudio“ der Stadt, Stierkämpfer, Boxer und andere Sportler trainierten hier, und so bürgerte sich der Name ein, bei uns würde man wohl sagen: Der „Hügel der G’spinnerten“. Heute ist hier eine Downhillstrecke für Biker, dummerweise muss ich aber nicht „down“, sondern „up“. Der normale Weg ist immer noch nicht geräumt, ein Filomena-Opfer liegt immer noch quer darüber, und so muss ich einen der Trails hoch. Ich schalte den Motor meines E-Bike auf „Loco“ und kämpfe mich hoch. Fast oben angekommen ist es doch zu steil, und mein Schwerpunkt wandert über die Achse des Hinterrads mit Schwung in das stachelige Gebüsch. Der Hügel hat einen weiteren Loco gefunden.

Nur ein kurzer Blick vom Gipfel, dann geht es erst mal Picknicken.

Nach einer Stunde ziehen von den Bergen wuchtige Wolkenberge herüber, und es schauert ein bisschen. Urplötzlich is der Park deutlich leerer als vorher, wir bleiben aber noch, denn unter unserem Baum bleiben wir weitgehend trocken. Immer wieder regnet es, während gleichzeitig die Sonne scheint.

Kurz vor Zehn regnet es aber dann doch immer mehr, und in einer Regenpause breche ich nach Hause auf. Die Pause dauert exakt bis ich losfahre, dann geht es richtig los. Erst hagelt es ein bisschen, dann kommen richtig dicke Tropfen, nach nur einem Kilometer suche ich wieder Zuflucht unter einem Baum, und bin dort nicht alleine.

Die untergehende Sonne und die gelben Hagel-Wolken zeichen alles in sehr warmen Farben, und ich bin froh, dass es heute deutlich über 30 Grad hatte, denn so pitschnass und in kurzen Hosen wäre der Heimweg sonst wirklich ungemütlich geworden.

Nach 5 Minuten ist die nasse Wolke durchgezogen, und dahinter folgt wieder wolkenloser Himmel mit schönem Sonnenuntergang.

Der sandige Boden ist nun total durchgeweicht und der Schlamm spritzt bis über die Knie hoch. Die Räder quietschen, weil der Schmodder überall hängt. Meine Lust jetzt 5 Kilometer über Sandpisten durch den Casa Campo nach Hause zu radeln hält sich in Grenzen, und so nehme ich die einzige Alternative – die Landstraße. Dummerweise ist die hier autobahnmäßig ausgebaut, das macht wenig Spaß. Über den 50cm breiten Standstreifen komme ich zwar schnell nach Hause, aber vor allem an den Ein- und Ausfahrten ist das nicht lustig. Aber es gibt keine Alternativen, solange Madrid von einer konservativ-rechtsaußen Autolobby regiert wird. Wie Presidenta Ayuso neulich sagte: „Es gehört zum Lebensgefühl von Madrid, selbst um 3 Uhr Nachts im Stau zu stehen.“

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