Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Hoch oben über der SchuttHalde

Auf der Höhe der Macht des spanischen Weltreiches Mitte des 16. Jhdt. lies Philipp II. ein Kloster / Palast errichten. Ein kleines Kloster mit 160 x 200m Grundfläche und 2000 Zimmern reichte ihm gerade so um von hier zu regieren. Der Name „El Escorial“ klingt hochtrabend und majestätisch – bedeutet aber „Schutthalde“ – so hieß und heißt der Ort.

Das Schloss liegt auf fast 1000m am Fuß der Sierra de Guadarrama. Von da oben hat man bestimmt einen tollen Blick…

Zuerst folgen wir der direkten Route, aber nach wenigen Kilometern versperrt eine Schranke den Weg – diese Strasse ist nicht öffentlich. Danke, Google!

Also geht es im weiten Bogen, aber dafür flacher bergauf.

Von hier oben ist die Smog-Glocke über Madrid deutlich zu sehen, die gestern so einen beeindruckenden Sonnenuntergang erzeugt hat. Die Stadt hat offensichtlich ein massives Problem mit Abgasen – das erklärt die harten Strafen bei Verkehrsverstößen. Wir haben über Nacht auf einem Parkplatz geparkt, der mit grünen Linien markiert war. Inzwischen wissen wir, dass das bedeutet, dass hier nur Anwohner parken dürfen. Diese Erkenntnis kostet uns 90 (!) Euro.

Es geht noch weiter nach oben, auf dem Weg muss ich zwischendrin spontan bremsen, aus dem Auto springen und diesen riesigen Bussard fotografieren, der über uns kreist:

Oben angekommen finden wir ein weitläufiges Naturschutzgebiet, in dem man locker eine Woche verbringen kann. Wir wählen den Wanderweg zur Orangenbaum-Hütte, weil wir uns von dort eine gute Aussicht erhoffen.

Die Berge erinnern viel mehr an den Joshua Tree NP als an die Alpen. Große Monolithe, Pinien, und vor allem die absolute Einsamkeit begeistern mich!

Es ist hier auf 1900m Höhe ziemlich frostig, aber die Sonne ist kräftig und so ist es ganz angenehm.

Ich war schon von dem Bussard und der Reh-Horde ausreichend begeistert, da sitzt am Gipfel plötzlich ein Schwarzgeier – Wahnsinn! Die Geier sind wohl eine der am meisten gefährdeten Vogelarten Europas, was für ein Glück diesen riesigen Vogel in freier Wildbahn zu erleben!

Die Aussicht ist durch den Smog deutlich getrübt, aber kurz bevor wir den Gipfel erreichen taucht das 150m hohe Kreuz des Valle de los Caidos auf. Hier hat sich der Diktator General Franco ein in den 40er Jahren ein Denkmal gesetzt, erbaut von Zwangsarbeitern aus Konzentrationslagern.

Die Unterdrückung der Schwachen funktioniert halt immer besonders gut, wenn man ihnen von göttlichen Wahnvorstellungen erzählt, egal ob man behauptet im Namen von Amun-Ra, Jahwe oder Allah zu sprechen.

Dort unten waren wir letztes Jahr schon mal, damals war so dichter Nebel, dass weder Berge noch Kreuz erkennbar waren.

Den Weg zum anderen Aussichtspunkt brechen wir ab, denn die Sonne steht schon so tief, dass wir fürchten nicht rechtzeitig vor Sonnenuntergang zurück beim Auto zu sein. Aber dieser Ort bleibt auf der Bucket List – hier kann man noch viel Schönes entdecken!

Der Rückweg zum Auto ist dann fast magisch, der gefrorene Boden dampft noch von der Sonne, die inzwischen tief steht und lange strahlende Finger in den Wald streckt.

Eine Tierbegegnung haben wir noch: Ein ausgewachsener Toro mit spitzen Hörnern und tiefschwarzem Fell grast neben der Strasse. Mit viel Respekt fahre ich langsam vorbei, der Stier könnte mit diesen Hörnern locker durch die Karosserie stossen. Glücklicherweise findet er uns langweilig und lässt uns passieren. Ich vermute, wenn das Tier mit Anlauf gegen die Seite des Autos rummst, dann würde er uns mühelos aufs Dach drehen! Gabi als langjährige Kuhflüsterin teilt meine Beklemmung nicht, begeistert freut sie sich über die Begegnung und knipst das Tier durch das offene Fenster.

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