Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Radtour durch Bayern (Tag 2/3: Zum Altmühltal)

Von der Klosterschänke bin ich gestern recht zügig in mein Zimmer geflohen. Es war ein wenig laut dort, sechs nicht mehr ganz so jugendliche Jungs vom Schützenverein waren schon ganz schön angestochen und haben irgendwann angefangen Soldatenlieder zu grölen („Wir müssen marschieren!“).

Im Zimmer war es aber nicht leiser, quer über den Hof ist der Glockenturm, und alle Viertelstunde sagt der mir, wie spät es ist. Die ganze Nacht. Auch um 3 Uhr. Und dann jammern die Leute, wenn ein Muezzin fünf Mal am Tag brüllt. Religioten, alle miteinander!

Als ich aufbreche, ist es schön sonnig – die ersten 100 Meter. Dann geht es runter ins Tal, und dort ist es kalt und neblig. Ich nähere mich dem Donau-Nebel-Tal. Das hat auch Vorteile, ich ziehe die 40km nach Neuburg a.d. Donau mit nur einem Halt durch – neue Handschuhe müssen her, meine sind steinalt und dämpfen überhaupt nicht mehr. Der Unterschied ist deutlich spürbar, Hände und Schultern danken mir.

Ziemlich trüb, und unter 15 Grad

In Neuburg gönne ich mir im „Schatten“ des Schlosses zwei Pizzen – hauchdünne 30cm-Pizza für 4€, da reicht eine nicht.

Nachdem ich nach dem Mittagessen immer noch genauso weit weg bin von meinem Ziel Regensburg, geht es jetzt auch noch 10km in die falsche Richtung. Das ist aber kein Versehen, ich fahre zum Eingang des Wellheimer Tal. Hier floss die Donau früher, als hier noch die Neandertaler das Sagen hatten. Irgendwann hat sie sich dann den heutigen Weg weiter südlich gesucht, und ein leeres Tal zurück gelassen. Der Umweg ist deswegen interessant, weil das trockene Tal zur Altmühl führt, die früher schon bei Dollnstein statt wie heute erst bei Kelheim in die Donau mündete.

Kaum bin ich von der Donau weg, klart es sich auch auf, und den Rest des Tages ist es wunderbar bayrisch Weiss-bla, und solange ich in der Sonne bin fröstele ich auch nicht mehr.

In den beiden Tälern ist die Burg(ruinen)-Dichte fast so hoch wie die Kirchen-Dichte, und die schroffen Felsen sind jedes Mal wieder toll!

Meine Geschwindigkeit sinkt, denn nun muss ich alle Nase lang anhalten um zu fotografieren und zu glotzen. Ist ja nicht so, dass ich hier nicht schon drei oder vier Mal war…egal, jedes Mal wieder schön!

In dem wunderschönem Ort Dollnstein mit mittelalterlicher Mauer außen rum biege ich vom Wellheimer- rechts ins Altmühltal. Dunkelbraun windet sich die Altmühl durch die Felder und Wiesen, die in grün, gelb, braun und rosa leuchten. Alles sprießt und blüht, und an den ruhigeren Stellen des Flusses schwimmt eine dichte Pollenschicht auf dem Wasser. Die Spinnen umweben ganze Büsche mit ihren Fangnetzen, man könnte meinen es wäre Frühling!

In einem der kleinen Orte hat tatsächlich ein Nah&Gut offen, nachdem die meisten kleinen Läden am Fenstertag auch im Urlaubsmodus sind. Das wurde auch Zeit, mein Getränkevorrat ist auf Null.

Schon im Laden sehe ich, wie ein etwas komischer älterer Herr vor meinem Fahrrad steht, und es anstarrt. Auch als ich raus komme meine Sachen in den Korb packe, bleibt er stehen und schaut eindringlich zu mir. Ich fürchte, er wird jetzt gleich schimpfen über die vielen Radler oder so was, also grinse ich ihn freundlich an: „Haben Sie eine Frage?“.

Er nickt wortlos und ohne Blickkontakt, und greift sich eine Flasche Cola-Light aus meinem Korb. Ich frage ihn, ob er einen Schluck will, und er nickt, kriegt die Flasche aber nicht alleine auf. Nachdem er einen Schluck genommen hat schenke ich ihm die Flasche, und er schlendert glücklich und zufrieden mit seiner Beute weiter.

Eine Frau, die ein paar Meter entfernt am Platz sitzt schenkt mir ein Lächeln, und drei Menschen verlassen den Platz glücklicher, als sie ihn betreten haben. Das ist doch was, oder?

 

Während mich die Schafe beim Vorbeiradeln ganz genau beäugen und scheinbar die vielen Radler noch nicht gewöhnt sind, ist der Habicht voll auf seine potenzielle Beute konzentriert, die ihn aber scheinbar bemerkt hat bevor er in den Sturzflug geht.

Mäh!

Wie ein Hubschrauber steht der Habicht still in der Luft.

Heute kucke ich früher als gestern nach Zimmern, aber das Resultat ist ebenso mau. Für um die 90€ würde ich einige Übernachtungsmöglichkeiten finden, aber ich wollte nur übernachten, nicht kaufen. Das einzig Bezahlbare ist 25km weiter als mein geplantes Tagesziel Eichstätt, und die letzten Kilometer ziehen sich ganz schön. Wie immer an Tag Zwei jammert der Körper „Mimimi“, dafür habe ich bei der Übernachtung einen Joker gezogen: 5€ billiger als die mickrige, laute Klosterstube, und ein großes Doppelzimmer mit großen Bad und einer Badewanne mit Blick auf die Burg Kipfenberg! Gasthof Metzgerei Neumeyer – kann ich nur empfehlen!

Blick aus der Badewanne

125km waren es dann heute statt den 95 gestern, und ich freue mich, dass ein Trainingserfolg sichtbar ist! Heißt aber auch: Morgiges Ziel Kelheim ist nur noch 60km entfernt. Da sollte noch ein Umweg machbar sein, mal kucken was mir morgen früh einfällt…

Die Route bei Polarsteps.

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