Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Kennedy Space Center

Eigentlich hatte ich in Pompano Beach nördlich von Ft. Lauderdale eine Reservierung auf dem Campingplatz. Aber nach der Verspätung bei der Abreise komme ich erst spät am Abend an. Eigentlich kein Problem, üblicherweise steckt dann ein Brief im Fach „Late Arrivals“ mit allen Infos. Irgendwas muss aber schiefgelaufen sein, jedenfalls war für mich nichts da. Also stand ich am Parkplatz ohne Strom und vor allem ohne Windschutz. Gegen 4 Uhr gebe ich es auf zu schlafen, denn ich werde alle paar Minuten von einer Windböe geweckt, die das Auto heftig durchschüttelt.

Dann fahre ich halt zum Strand, Sonnenaufgang anschauen. Das wird eindeutig überschätzt.

Also weiter zum nächsten Campingplatz. Beim Erkunden der Umgebung finde ich dort doch tatsächlich einen Aldi! Da muss ich rein – doch leider ist das Sortiment sehr amerikanisch, keine Leckerlis aus der Heimat. Immerhin gibt es Pumpernickel, endlich wieder vernünftiges Brot!

Heute ging es dann zu einem der Orte auf die ich mich besonders gefreut hatte: Das Kennedy Space Center. Der Eintrittspreis ist horrend, mit Parkgebühr und einem winzigen $6-Hotdog sind die $100 voll. Aber ein echtes Space Shuttle zu sehen, und die Lauch Pads, und das Vehicle Assembly Building – unbezahlbar. Ich erfahre einiges Neues: Das die Hitzeisolierung an den nicht frontal gelegenen Stellen aus Stoff besteht ist mir beispielsweise neu – das Space Shuttle hatte für die Außenverkleidung Näherinnen die nach jedem Flug Risse mit einer Nadel geflickt haben!

Alleine in dem Gebäude verbringe ich über zwei Stunden, danach eine dreistündige Tour zu den Launchpads. Verblüfft hat mich vor allem wie klein und minimalistisch das alles ist. Ein bisschen betonierter Rasen, daneben ein schmuckloses Haus mit dicken Mauern, mehr ist oft nicht zu sehen. Viele Strukturen und Gebäude aus der „heißen“ Zeit des Space Race existieren leider gar nicht mehr, die Instandhaltungskosten will niemand zahlen.

Besonders die ersten Startrampen sind extrem: Dort wo Alan Shepard als zweiter Mensch und erster Amerikaner in den Weltraum gestartet ist, liegen zwischen der Rakete und dem winzigen Kontrollraum nur 90 Meter. Und im Kontrollraum waren um die 60 Leute (wie die das reinpassen und auch noch arbeiten sollen, verstehe ich nicht – und erst recht nicht wie man das dort überleben soll – ein winziger schlecht belüfteter Raum mit 60 nervösen Rauchern!). Aber offensichtlich war es ausreichend sicher, denn gerade zu Beginn ist ja doch die eine oder andere Rakete nicht ganz bis in den Weltraum gekommen.

Krass ist auch die Technik – etwa der 1kB-Speicher der nicht mal diesen Text speichern könnte, aber vermutlich 10 mal so viel wiegt wie das Notebook auf dem ich das schreibe.

Auf einem Launchpad wartet eine Rakete der Air Force auf ihren Einsatz in 2 Wochen, ein neuer GPS-Satellit will in den Orbit. Man darf das nicht fotografieren, deshalb schaut Euch bitte das Bild nicht an!

Fast so interessant wie die Objekte sind die Zuschauer: Wenn der Tourguide von Alan Shepard oder John Glenn erzählt, hören die Älteren gespannt zu und die Jüngeren sind teilnahmslos. Kommt die Rede auf SpaceX und Elon Musk und den Google X-Prize dreht sich das sofort. Ich bin zwar noch nicht alt genug, um die Mondlandung gesehen zu haben, aber der Start eines Space Shuttle war für mich immer ein Fernsehevent, die Challenger-Explosion ein Ereignis an das ich konkrete Erinnerungen habe obwohl ich erst 11 war.

Am Vehicle Assembly Building fährt man nur vorbei – schließlich ist das in Betrieb. Es sieht eigentlich gar nicht so groß aus. Erst als der Tourguide darauf hinweist dass jeder Streifen der US-Flagge auf der Seite des Gebäudes so breit ist wie unser Bus wird klar wie gigantisch das ist.

Am Ende der Tour kommt man zu einer Halle in der eine Saturn V-Rakete liegt. Und bei der muss man nicht erklären, dass die groß ist: Jeder der um die Ecke biegt und das Ding vor sich sieht, hat diesen „What the f…“-Ausdruck im Gesicht. Absolut unfassbar, die Energie, die in diesen Tanks gespeichert wird, ist in der Größenordnung der ersten Atombomben.

Ein absolut beeindruckendes Erlebnis, und ich hoffe tatsächlich das ich das noch übertreffen kann: Übermorgen Nacht soll eine Falcon-9 von SpaceX zwei Kommunikationssatelliten hochbringen. Wenn das Wetter das nicht vermurksen könnte, bitte? Bittebitte mit Sahne obendrauf?

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