Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Seven Mile Bridge

…oder "Hundert Mal zum Horizont".

Als ich heute früh meine Musik einschalte läuft dieses Lied. Das nehme ich als Omen und steige aufs Rad. Heute ist zwar mein Checkout-Tag hier, aber die Sieben-Meilen-Brücke will ich schon einmal auf zwei Rädern befahren haben. Was das mit dem Lied zu tun hat? Die Brücke ist schmal und hat neben dem schmalen Seitenstreifen nur eine niedrige Mauer. Und es hat dichten Nebel.

"Pretty scary" ist die Tour auf jeden Fall, aber auch visuell spannend. Die Strommasten neben der Brücke tauchen leise aus der Nebelsuppe auf und spiegeln sich im ruhigen Wasser. Die bis auf Anfang und Ende sehr verwitterte alte Brücke auf der anderen Seite sieht durch die Schwaden sehr gruselig aus. Meine Brille kann ich wegpacken – die sammelt sofort dicke Tropfen, und auch die Kamera muss vor jedem Foto geputzt werden. Auf der anderen Seite angekommen kommt sofort die Sonne durch – der Nebel wabert außen um die Insel herum, auf der Insel ist der Himmel blau. Das Atmen fällt schwer, denn die Luft ist so feucht-warm wie im türkischen Dampfbad.

Das warme Wetter hat wohl die Fische zurückkehren lassen, denn die Pelikane sind in Feierlaune. Sehr beeindruckend wenn ein halbes Dutzend Pelikane gleichzeitig im Sturzflug ins Wasser abtaucht.

Wie gesagt steht neben der neuen Brücke die Alte, und die ersten zwei Meilen sind noch befahrbar. Das muss ich natürlich ausprobieren, und kaum 100 Meter vom Ufer weg ist die Sicht schon wieder extrem eingeschränkt. Trotz der Länge der Brücke sind auch am anderen Ende noch haufenweise Spaziergänger zu sehen. Das Ende der Brücke ist eine Insel, und zuerst sieht es aus als läge hier Schnee. Beim Näherkommen erkennt man dass es die hellen Dächer der Häuser sind – hier leben offensichtlich ein paar Handvoll Menschen.

Auch auf dem Rückweg ist die Sicht nicht wesentlich besser. Dennoch entdecke ich etwas das mir den Mund auf den Boden fallen lässt: Auf dem geschlossenen Teil stehen Bäume. Auf blankem Asphalt, ohne Erde. Cool! Life finds a way. (Ian Malcolm)

Ich bin dann ganz froh wieder am Campingplatz zurück zu sein, die Laster rauschen doch ganz schön nahe an einem vorbei. Und die Leute kennen wie ich keine Angst: Mindestens ein Drittel fährt der Autos ohne Licht.

Und das Lied mit dem ich den Tag begonnen habe, war leider wirklich ein Omen: Kurz bevor ich aufbreche erfahre ich, dass es einen Frontalzusammenstoß auf der Brücke gab, keine halbe Stunde nachdem ich dort gefahren bin. Die Brücke ist bis zum späten Nachmittag komplett gesperrt, und von der Rezeptionistin erfahre ich, dass die Autos bis Key West Stoßstange an Stoßstange stehen – 60km entfernt. Ein Vollidiot war der Meinung dass es eine gute Idee ist auf der Brücke im dichten Nebel zu überholen.

Mittags klart es dann endlich auf, und ich verbringe die Wartezeit schlafend auf Schwimmnudeln im Pool, was mir einen leichten Sonnenbrand einbringt, aber sehr entspannend ist.

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