Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Ihr Kinderlein kommet

So langsam verblühen die Kirschen, und andere Pflanzen werden bunt, der Ginster etwa strahlt hellgelb. Die Magnolien blühen, und die Elstern mit den blauen Streifen hüpfen vergnügt über die Wiesen.

Auf Empfehlung einer Kollegin besuchen wir Alcalá de Henares, eine kleine Stadt ein paar Kilometer östlich von Madrid. Bevor wir in die Stadt selber gehen, ist der Parque de los Cerros de Alcalá dran. Am übervollen Parkplatz haben wir sakrisch Glück, während andere frustriert wieder wegfahren, parkt direkt vor uns jemand aus.

Von hier hat man schon nach wenigen Metern eine schöne Aussicht über die Neustadt von Alcalá und die Guadarrama dahinter.

Und während ich noch Richtung Berge kucke, stupst mich Gabi an: Kuck mal, ein Storch!

Wie schön!

In einem Olivenbaum entdecken wir ein winziges Nest, sieht aus wie von einer Wachtel. Die Oliven sind allerdings Opfer von Filomena, so wird die keiner essen wollen.

Die Cerros (Hügel/Berge) sind teilweise Mesas (wörtlich: Tische), also oben fast wie mit dem Lineal abgeschnittene Berge, teilweise sehr sandige Hügel mit deutlichen Erosionsspuren.

Ein Mesa ist Richtung Madrid, und vor Madrid liegt der Flughafen Barajas. Ab und zu fliegt hier trotz Corona noch eine Maschine, heute kommen sie aus dem Süden und fliegen scheinbar durch den Berg.

Aufgrund der Entfernung ist das Flugzeug auf dem zweiten Bild nur auf genauerem Blick zu erkennen, es ist kurz vor dem Aufsetzen.

Der Park wird nicht nur von Fußgängern, sondern auch von Mountainbikern gut genutzt, es gibt jede Menge Trails. Wir erklettern einen Berg mit schöner 360-Grad-Aussicht, und sehen nun nicht nur einen Storch. Ganze Herden kreisen hier, ich sehe heute bis zum Abend vermutlich mehr Störche als in meinem gesamten Leben vorher zusammen. Wahnsinn! Wenn die alle Kinderlein bringen, dann sollte Spanien schonmal neue Schulen bauen!

Natürlich gibt es hier viel mehr als nur Störche, aber ich habe kaum etwas Anderes fotografiert, obwohl es hier wirklich schön ist. Wenigstens dieser Baum mit den auffälligen Blüten hat es noch auf die Speicherkarte geschafft!

Wieder zurück zum Auto geht es in die Innenstadt. Parkplätze gibt es keine, aber wir finden eine Tiefgarage am Placa de la Paloma – dort sind aber trotz des Namens keine Tauben zu sehen!

Das angepeilte Restaurant hat nur Innenplätze, und trotz stark sinkender Inzidenzzahl (seit heute unter Deutschland!) will ich nicht in geschlossenen Räumen essen. Dummerweise ist das aber überall in der Innenstadt so, alles ist rappelvoll, schließlich erwischen wir einen Katzenplatz bei Chelinda, einer mexikanischen Kette.

Die Stadt ist wirklich schön, es erinnert viel an norditalienische Kleinstädte, die Einkaufs/Restaurantmeile mit den Balkonen lässt an allerdings New Orleans denken.

Die Stadt wird jedoch nicht nur von Menschen belagert – es geht zu wie Bolle – sondern auch von den Störchen. Kein Türmchen ohne Nest, die Störche haben Wohnungsnot!

Welch schöne Tiere! Auf dem Rückweg zum Auto entdecken wir noch einen Park mit schönen bunten Hecken, und dort gelingt mir ein seltener Schnappschuss eines Mönchssittichs – diese Vögel sind so quirlig und schnell, dass ich sie selten erwische.

Nette Geschichte zu den Sittichen: Die Vögel sind aus Südamerika eingeschleppt, und gelten hier als die Rache der Inka an den spanischen Eroberern. Irre laut und schrill brüllen die Vögel überall in Madrid, und es gibt nur zwei Fraktionen: Die, die sie hassen, und die, die sie lieben. Ich finde sie hübsch, und das Gebrüll ist ein ziemlich schwache Rache dafür, dass die südamerikanische Bevölkerung praktisch komplett ausgerottet wurde.

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