Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Radtour durch Tucson

Eigentlich wollte ich heute den Sabino Canyon anschauen und dort ein paar Trails radeln. Aber als ich nach ca. 20km Fahrt ankomme erfahre ich das Fahrräder nur vor 9 Uhr oder nach 5 Uhr erlaubt sind um die Fußgänger nicht zu gefährden. Oder das Geschäft mit den Shuttlebussen die den Canyon hoch fahren. Da ich kein Schloss mitgenommen habe fahre ich stattdessen eine Runde durch die Catalina Foothills und dann quer durch die Stadt zurück – auch 65km.

Dabei geht es an der Air Force Base vorbei die zu einem großen Teil als Flugzeugfriedhof benutzt wird – Kriegsmaschinen von Horizont zu Horizont. Alte aus dem zweiten Weltkrieg bis hin zu modernen Drohnen. Beeindruckend irgendwie. Ich frage mich nur ob es für die Mobilität des Landes nicht sinnvoller wäre das Geld für die Verbesserung der Strassen auszugeben. Gelegentlich muss ich ganz schön großen Schlaglöchern ausweichen, und die Risse in der Fahrbahn sind gelegentlich auch unangenehm.

Was ich nach wie vor sehr praktisch finde ist die Planquadrat-Anordnung der Städte, das macht die Navigation sehr einfach. Und bei den riesig breiten Strassen denkt man eh nicht an charmante, verwinkelte Gassen. Dafür sind amerikanische Vorstädte der mittleren und unteren Lage extrem langweilig: Die Häuser sehen im Wesentlichen gleich aus, dazwischen die immer gleichen Läden, und Menschen sieht man nur in Autos. Das war in Santa Monica oder San Francisco schon anders, da gab es Leben auf der Strasse. Inzwischen ist allerdings ein wichtiges Merkmal einer Wohnung der Walk score: Wie viele Orte des täglichen Bedarfs sind zu Fuß erreichbar? Der Teil von Tucson den ich kennenlerne hat offensichtlich einen sehr niedrigen Score.

Am Nachmittag musste mal wieder Wäsche gewaschen werden. Praktischerweise liegt die Laundry gleich neben dem Pool, sodass ich die Wartezeit im Whirlpool verbringen kann – so macht das Spaß! Das geht jedoch nur weil der Pool windgeschützt liegt, bei 15 Grad und relativ zapfigem Wind sitzen die meisten mit Jacke rum – die Sonne ist aber so kräftig dass es im Windschatten trotzdem angenehm ist.

Nette Anekdote vom Pool: Ich habe mich mit einer 75jährigen Amerikanerin unterhalten. Sie erzählt mir von Ihrem Urgroßvater der vor 100 Jahren nach Ohio gezogen ist. Und von Ihrer Schwester, die in der Schweiz lebt. Die jeden zweiten Tag zum Bäcker gehen muss, weil Europa so rückständig ist dass dort wohl nicht bekannt ist wie man Brot länger haltbar macht. Und die – das findet sie ebenso seltsamer – tatsächlich davon leben kann mit Ihrem Mann auf einem kleinen Feld Gemüse anzubauen und am Wochenmarkt zu verkaufen.

Ich würde mir ein gutes deutsches Brot wünschen, das nicht ausweicht wenn man drauf drückt!

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