Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Biosphere 2

Anfang der Neunziger ließ ein Milliardär die Biosphere 2 bauen, ein Biotop, das abgesehen von Energie autark von der Umwelt sein sollte und mehrere Menschen versorgen soll. Zwei Versuche wurden durchgeführt, einer zwei Jahre lang, der andere ein halbes Jahr. Beendet wurden beide aufgrund menschlicher Probleme, es gab zwar auch technische Probleme genug, aber das ständig überwachte Zusammenleben auf engem Raum, täglich 16h harter körperlicher Arbeit bei schlechter Verpflegung war wohl dann doch schwieriger als die Technik. Irgendwie nachvollziehbar.

Der Umweg hierher hat sich gelohnt, nicht weil die Biosphäre besonders riesig oder beeindruckend gewesen wäre – jeder mittelmäßige botanische Garten hat mehr zu bieten. Aber zu sehen auf wie engem Raum man genug Nahrung für 8 Personen herstellen kann und sich vorzustellen hier zwei Jahre auszuhalten ist schon spannend.

Die Biosphäre ist im Wesentlichen ein großes Gewächshaus mit verschiedenen Klimazonen, hermetisch abgesiegelt von der Umwelt – Sauerstoff mussten die Pflanzen generieren. Ein wesentliches Problem dabei war der Luftdruck: Wenn die Sonne rein scheint wird es in der Wüstenzone bis zu 60 Grad heiß. Dabei dehnt sich die Luft natürlich aus, ohne Ausgleich würde das Glasdach einfach bersten. Um das zu verhindern gibt es zwei "Lungen". Und das ist wirklich extrem beeindruckend: Ein runder Raum mit etwa 30 Meter Durchmesser und 5m Höhe mit einem etwa 10m großen Zementdeckel in der Mitte und darum schwarze Folie. Wenn die Luft sich ausdehnt hebt der Druck die Folie nach oben und der Zementdeckel wird mit angehoben. Wow!

Als der Führer die Seitentür öffnet zischt es gewaltig und Haare werden beim Ausstieg gut verwuschelt. Das Zementdach senkt sich mehrere Zentimeter pro Sekunde bis wir alle durch sind und die Tür wieder geschlossen wird.

Die Heizung und Kühlung der Anlage hat übrigens während des ersten Versuchs jährlich 1,4 Mio Dollar Stromkosten verursacht, und Strom ist in den USA bestimmt billiger als bei uns. Inzwischen gehört die Anlage der University of Arizona und wird zu Forschungszwecken benutzt, insbesondere zum Thema Klimawandel und wie man CO2 wieder los wird.

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