Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Toledo

Wir fahren durch die Region La Mancha nach Madrid. Wer an La Mancha denkt, muss auch an Sancho Pansa und Don Quichote denken. Doch bevor wir die Szenerie von Cervantes‘ berühmtesten Roman erreichen, müssen wir erst die flache Ebene durchqueren.

Mir scheint, Spanier ernähren sich nur von Oliven und Wein, denn andere Pflanzen werden hier nicht angebaut. Kilometer über Kilometer ein Olivenbaum neben dem Anderen, dazwischen knorrige, noch nicht austreibende Weinpflanzen.

In Consuegra erheben sich endlich wieder Hügel, und wir besichtigen das „Castillo de Consuegra“.

Was dieses Castillo gegenüber den hunderten anderen Burgen auszeichnet sind die Gebäude außen rum – womit wir wieder bei Don Quichote sind:

Die Aussicht geht nicht nur auf die Ebene im Süden und Osten, sondern auch die Hügel Richtung Toledo und Madrid. Die Erde ist trocken braun; aber wenn sie feucht wird, dann hat sie eine satte, rostige Farbe. Dazwischen das Olivgrün der Bäume und das kräftige Grün von frisch gewässerten Gras ergeben tolle Farbspiele.

Hinter den Bergen erreichen wir Toledo, eine Stadt, die wie die Schweizer Hauptstadt Bern auf einem Felsen liegt, der von einem Fluss auf drei Seiten umflossen wird. Auf dem Felsen thront neben der obligatorischen Kathedrale eine mächtige Festung, das Alcázar. Hierum gab es erst vor etwa 70 Jahren im spanischen Bürgerkrieg das letzte Mal eine Belagerung. Hoffentlich war das wirklich das letzte Mal, dass die Stadt einen Krieg gesehen hat!

Nachdem wir die Stadt erst vom „Mirador“ (Aussichtspunkt) taxiert haben, parken wir außerhalb und queren den Fluss über die schöne, alte Brücke. Danach geht es viele, viele Stufen rauf in die Innenstadt mit ihren labyrinthischen kleinen Gassen. Hier ist High Life, schließlich ist es Samstag und die Sonne scheint. Wir sehen ein halbes Dutzend JungesellInnenabschiede. Eine Gruppe weiblicher Marios und eine Luigina werden von einem offensichtlich schwulen Mann mit Rätseln und Aufgaben durch die Innenstadt gehetzt.

Ich hab ja eh lieber Gianna Sisters gespielt als Mario!

Der wahre Bewacher der Stadt ist aber weder die Kirche noch das Alcázar, sondern die mächtige Echse!

If you’re happy and you know it clap your…oh, crap!

Wir haben auf dem Weg hierher so viel ausgelassen, und so viel nur schnell angeschaut, aber es hilft nichts, wir müssen zurück nach Madrid: Um vier Uhr geht der Wecker. Kurz vor der Stadt halten wir aber nochmal am geografischen Mittelpunkt der iberischen Halbinsel. Was dort wohl steht? Kurz überlegen – wir sind im christlichen Abendland…richtig: Ein Jesus!

Bei der Fahrt dorthin tauchen am Horizont helle Erhebungen auf. Lange Zeit rätseln wir – schneebedeckte Berge oder Wolken? Stellt sich raus: Beides! Auch hier, in der Sierra de Guadarrama liegt oben drauf noch Schnee, obendrüber kondensiert die Feuchtigkeit der letzten Tage zu weißen Wattewolken.

Die Kulisse hinter der Stadt ist majestätisch, und weil Madrid eine der schönsten Großstädte Europas ist, fahren wir auf dem Weg zum Hotel nochmal Zickzack durch die Stadt und erinnern uns an unseren letzten gemeinsamen Besuch vor drei Jahren. Wenn ich nur Spanisch könnte, dann wäre Madrid eine ernsthafte Alternative zu München.

Wir schließen unseren Urlaub mit einem Brett mit Salami, Käse und Schinken und einer Flasche Weißwein ab, und gehen heute früh ins Bett.

Wir haben in dieser Woche ein Gebiet von 3 Breitengraden und 6 Längengraden umkreist, das sind mit ein bisschen Kopfrechnen 0,14 Promille der Oberfläche der Welt. Wenn man berücksichtigt, dass 70% der Erdoberfläche Wasser ist, dann brauchen wir in diesem hektischen Tempo immer noch 40 Jahre, um die Wunder dieser Welt alle im Schnelldurchlauf zu sehen. Gerne wäre ich auch mal länger an einem Ort geblieben, aber die Welt ist so groß, und Zeit und Geld so limitiert!

Meine Einsicht nach diesem Urlaub: Ich brauche viel mehr Urlaub und lebensverlängernde Maßnahmen! Mein Chef und mein Arzt sollten sich auf schwierige Verhandlungen einstellen! Gabis Kommentar: „Ich bin voll bei Dir!“ – Ich liebe diese Frau!

Weiter Beitrag

Zurück Beitrag

Antworten

© 2019 Unterwegs

Thema von Anders Norén