Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

RUND UM VENEDIG SCHIPPERN – TAG 5

Nicht alle Bootsführer scheinen das mit dem flachen Wasser verstanden zu haben, immer wieder sieht man gestrandete und (ein bisschen) gesunkene Schiffe.

Es geht wieder Richtung Norden nach Venedig zurück. Heute ist ein uritalienischer Feiertag: Kaiser Augustus feiert 29 v.Chr. den Sieg über die Ägypter mit den feriae Augusto. Die Katholiken haben sich das einverleibt und Mariä Himmelfahrt draus gemacht, aber in Italien ist das immer noch Ferragosto. Kaum ein Italiener, der heute zu Hause verbringt, es sind Ferien und beste Reisezeit!

Wir starten mit einem Elefantenrennen – wir überholen ein anderes Hausboot. Eine halbe Stunde schleichen wir uns im Windschatten an, dann scheren wir aus und nur Bruchteile einer Stunde später haben wir den Konkurrenten bereits überholt! Im Rausch der Geschwindigkeit – bis zu 5 Knoten (also 9km/h) immerhin! – nähern wir uns Venedig vom Südwesten.

Hinter Venedig liegt von uns aus der Massenverkehr – Hafen und Flughafen.

Wir umrunden Giudecca, die südliche Insel Venedigs und sehen neben dem teuren Teil mit Segel- und Motoryacht sowie dem Molino Stucky-Hotel auch den Serviceteil mit Müllbooten und den Möwen, die diese bewachen.

Die 100m lange Motoryacht gehört übrigens Heidi Horten (die von dem Warenhaus und dem Strache-Ibiza-Video) und es gibt nur ein paar Handvoll längere Yachten weltweit.

Durch den Canale della Giudecca geht es bis vor den Markusplatz, hier ist ordentlich Wellengang – leider kommt uns aber kein großes Schiff entgegen. Am Dogenpalast schieben sich die Menschenmassen durch, wenn da noch jemand dazu kommt, fallen am anderen Ende die Leute ins Wasser!

In Venedig selber können wir nicht anlanden, aber eine Nachbarinsel hat einen Anlegeplatz direkt neben der Vaporetto-Station. Dort angekommen will keine Aufbruchsstimmung aufkommen. Bei über 30 Grad und brennender Sonne durch enge, heiße Gassen die prall gefüllt mit Touristen sind – das erzeugt keinen Enthusiasmus. Ich kucke in die Runde: Wollen wir dann nach Murano rüber? Die selbe Begeisterung bricht aus, eigentlich wollen wir alle weiter fahren und Fahrtwind genießen.

Also fahren wir an Murano vorbei Richtung Flughafen. Der Kanal geht hier inzwischen scheinbar bis direkt vor die Rollbahn, das will ich sehen.

Was ich nicht wusste: Der Flughafen hat inzwischen auch ein Schiffsterminal, man kann direkt vom Flieger in das Vaporetto umsteigen oder ein Taxi mieten. Somit ist hier reger Verkehr, und die Taxen stehen unter Zeitdruck und rasen mit Highspeed hin und her.

Unser Hausboot ist wie ein Traktor auf der Autobahn und wird von den Wellen heftigst durchgeschüttelt. Dafür landen ein paar Flieger direkt über uns, und man sieht einmal längs über den Runway.

Nach überstandenem Rückweg verlassen wir den Highway und fahren wieder nach Burano rüber.

Bei Sonne sind die Häuser noch viel schöner, und wir bummeln noch ein wenig, bevor wir ein Restaurant suchen. Am Hafen ist eine Mauer mit Glasscherben bewehrt, im Licht der niedrig stehenden Sonne macht das tolle Lichteffekte!

Ein Restaurant zu finden wird dann schwerer als erwartet, denn ab 18:00 ist die Insel urplötzlich wie ausgestorben – die Tagestouristen sind weg, und die Strassen leer. Wir genießen den Heimweg durch die leeren Gassen.

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