Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Rundreise

Am letzten vollen Tag haben wir eine weitere Tour geplant – im Schnelldurchgang wollen wir eine Rundreise zu den wichtigsten Sightseeing-Spots machen.

Tarsier Sanctuary

Die erste Station hatten Gabi und ich schon besucht, aber der Rest kennt die putzigen Primaten noch nicht, die wie Ratten mit riesigen Augen aussehen. Heute sind mehr Tarsiere anwesend, dafür verstecken sie sich gut.

Weiter geht es zum Loboc River und diesen flußaufwärts, glücklicherweise gibt es inzwischen bessere Brücken als diese:

Manmade Forest

Auch hier waren wir bereits zu zweit, und die Anderen sind nach der kurvigen Strecke und der gestrigen Bootfahrt ein wenig lustlos, so machen wir nur kurz Halt und fahren weiter zu den Schmetterlingen.

Butterfly Conservation Center

Hier führt uns ein absolut enthusiastischer Führer (Vorsicht, Ironie!) durch die kleine Anlage mit großen Schmetterlingen. Die heruntergeleierte Infos und die Fototricks des Guards reissen mich nicht vom Hocker, die Schmetterlinge sind zwar ganz schön groß, aber viel spannender finde ich die vielen exotischen Blüten.

Sieht ein wenig wie die Bottlebrushes in Australien aus
Sieht aus wie Plastik, ist aber echt
Erinnert an Beaker von den Muppets
Banane mit Flügeln? Nananana, Bananaman!

Nochmal 20km weiter öffnet sich der dichte Urwald und wir sind in den …

Chocolate Hills

Diese runden Hügel sind Überreste von Kalkablagerungen aus der Zeit, in der das alles hier flaches Meer war. In der Trockenzeit wird das Gras auf den Hügeln braun, darum „Chocolate Hills“.

Für gute Aussicht erklimmen wir den Gipfel eines der Hügel (zumindest die letzten Meter, die Straße führt bis fast nach oben).

214 Stufen führen zur Aussichtsplattform

Ich hatte keine all zu großen Erwartungen an die Chocolate Hills, aber tatsächlich ist die Aussicht von hier oben wirklich beeindruckend. Die Menge der Hügel und die gleichmäßigen Formen erzeugen ein ziemlich einzigartiges Panorama.

Wer weniger Touris um sich haben will, kann scheinbar auch den Trampelpfad auf den Nachbarhügel nehmen.

Die Filipinos sind bei der Legendenbildung um die Entstehung der Hügel nicht zimperlich, es gibt gleich zwei bekannte Entstehungsgeschichten, nach denen es sich hierbei um gigantische Scheißhaufen handelt.

Mich wundert (aber erfreut), dass die so sehr katholischen Bewohner der Insel nicht auf jeden Gipfel ein Kreuz pflanzen. Aber vermutlich sind sie noch zu beschäftigt damit, jedes Auto mit der göttlichen Botschaft zu bemalen.

God is love, darunter Jesus als Anführer zweier Soldaten

Am Horizont sieht man eine der diversen Adrenalinausschüttungsanlagen, die es auf der Insel gibt. Scheinbar gab es mal Drahtseile im Sonderangebot, und deshalb gibt es mindestens vier „Ziplines“ auf Bohol. Also: Über Abgründe gespannte Seile, die es mal schnell, mal langsam, aber immer mit viel Adrenalin zu überqueren gilt.

Hier fährt man mit dem Fahrrad über den Abgrund

Twin Hanging Bridge

Auf dem Rückweg wird meine Höhenangst auf eine harte Probe gestellt. Zuerst halten wir bei zwei Hängebrücken über den Loboc River. Je 40 Meter lang führen sie in je nach Quelle 20 oder 27m über den Fluss. Ich halte beide Zahlen für übertrieben, aber es ist hoch genug und wacklig genug um meine Körperspannung hoch zu halten. Irgendein Spaßvogel findet sich immer, der anfängt zu wippen oder zu schaukeln; und wenn man an jemandem vorbei muss, dann kippt die Brücke für mein Gefühl viel zu sehr zur Seite.

Die Schwimmreifen tragen nicht dazu bei, mein Sicherheitsgefühl zu heben

Hier kann man angeblich auch mit dem Motorrad drüber fahren, und früher, bevor die Touris die Brücke blockierten, wurde das wohl auch zum Warentransport benutzt. Allein der Gedanke, hier ein mit mehreren Reissäcken und einem Schwein beladenes Moped über die Brücke fahren zu sehen. Brrr!

Loboc Ecotourism Adventure Park

Als ob das nicht genug war, geht es jetzt zur Zipline. Im Adventure Park steigt man ein paar Meter den Hügel hinauf, von hier geht es am Drahtseil schwebend auf die andere Seite des Tals. Dort wieder ein paar Meter nach oben, und ein wenig seitlich versetzt wieder zurück zum Start.

Die Aussicht ist wunderschön, und man soll ja gelegentlich aus seiner Komfortzone austreten. Also beschließe ich das Spiel mit zu spielen, und bereue es direkt im Anschluss. Wir müssen eine Zeitlang warten, und ich beginnt kalte Füße zu kriegen. Aber wer jetzt kneift, der wird auf einer Wall of Shame am Start aufgeschrieben, und die Blöße will ich mir dann doch nicht geben.

Als wir dann an der Reihe sind und ins Geschirr gespannt werden, kuckt mich der Typ an und beschließt, bei mir brauchen wir doppeltes Equipment. Ob ich zwei Helme anziehen soll, frage ich? Aber nein, es wird nur die doppelte Anzahl Halteseile eingeklinkt. Schließlich bin ich wertvolle Fracht!

Die ersten Meter sind bestimmt gar nicht schlimm, denke ich. Bis ich gleich nach dem Start merke, dass man da nicht waagrecht drin liegt, sondern auch noch vornüber hängt. Panisch fluchend versuche ich mich auf meine Kamera zu konzentrieren und die Wasserfälle unten am Fluss zu bewundern, aber die rasen blitzschnell vorbei und mein Blick fällt auf die sehr schnell näher kommende „Talstation“. Hier endet das Seil in einer Felswand mit einem davor gespannten Fischernetz. Darauf rase ich mit bestimmt 50 km/h mit dem Kopf voran zu – verdammt!

Erst jetzt auf dem Video wird mir die Bremsvorrichtung klar. Es gibt ein Fangseil, das von unten von einem Menschen gehalten wird. Wenn der mal nicht aufpasst oder ihm das Seil aus den Händen rutscht, dann wird aus dem Adrenalinjunkie ein Fleck an der Mauer. Na danke schön, wenn ich das vorher gesehen hätte, wäre ich nie mit gefahren!

Gut, dass mir das nicht aufgefallen ist, denn ich muss ja auch wieder zurück. Das überlebe ich aber auch, und bin dann ganz froh, als ich wieder im Auto sitze und ich in gefühlter Sicherheit bin. Was ja eigentlich Quatsch ist, denn bei der Fahrweise hier ist es an der Zipline vermutlich sicherer als auf der Strasse. Aber Menschen sind halt komische emotionale Wesen, und nicht so rational gesteuert, wie wir gerne wären.

Eigentlich sollte jetzt zum Abschluss noch ein Mittagessen auf einem Boot auf dem Loboc River anstehen, aber wir haben zu sehr getrödelt, und es ist 15:14 – das letzte Schiff geht um 15:00. Nachdem der Fahrer drei Restaurants angefahren hat, die alle schon zu waren erwischen wir doch noch eines, das noch geöffnet hat.

Wieder angekommen holen wir uns den Refund von der Walhai-Tour gestern und gönnen uns dafür noch was in der Kneipe gegenüber. Und dann war es das auch schon wieder – Morgen und Übermorgen sitzen wir im Flieger, und dann sind wir wieder daheim. Dann ist erst mal Durststrecke über den Winter, aber spätestens im Mai hoffe ich ist die nächste Radtour drin, oder ein kleiner Kurzurlaub in Südtirol? Ich bin gespannt!

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