Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Deep Space Network

Im äußersten Südwesten der Region Madrid ist ein Teil der Infrastruktur des Funknetzwerks untergebracht, mit dem die NASA Raumsonden bis außerhalb der Grenzen des Sonnensystems verfolgen kann. Für die Voyager-Sonden reicht es nicht mehr, dafür gibt es nur noch ein 70m-Teleskop in der Mojave-Wüste, das die schwachen Signale empfangen kann.

Eigentlich absolut unglaublich: Die Voyager I sendet mit nur 12 Watt, also einem Achtel einer Glühbirne an Leistung, und ist fast einen Lichttag entfernt – über 23,000,000,000 Kilometer. Gestartet 1977 hat die Sonde immer noch eine wahnwitzige Geschwindigkeit von 60.000 km/h oder 17 km pro Sekunde – Damit bräuchte ich allerdings immer noch über 1,5 Minuten zurück nach München.

Ganz so schnell waren wir heute nicht unterwegs, und auch nicht so weit. Dafür hatten wir Zeit, auf dem Weg an Blockhaus 13 anzuhalten. Was ganz idyllisch klingt, ist ein Überbleibsel aus der spanischen Bürgerkriegszeit, ein Bunker zur Verteidigung der Strasse in Richtung Extremadura.

Ich bin vorsichtig, und erwarte jeden Moment einen Angriff der Sandleute oder der imperialen Truppen. Irgendwie sieht das sehr nach Luke Skywalkers Heimat auf Tatooine aus.

Wir sind Schisser und trauen uns nicht hinein zu steigen, vermutlich wird man dort aber vor allem Überbleibsel jugendlicher Ausflüge in die Welt des Rausches finden.

Also geht es von Science Fiction weiter zu echter Wissenschaft, und beim Anblick der ersten Antennenschüssel bricht bei mir schon ein wenig Ehrfurcht aus.

Mit diesen Antennen wurden in den 80er Jahren Bilder von Jupiter und Saturn mit einer Datenrate von über 100 kBit/s empfangen – in Deutschland an vielen Stellen auch heute noch übliche Datenraten.

Leider ist das angeschlossene Museum inzwischen nicht nur an-, sondern auch abgeschlossen – ob Covid oder mangelnde Finanzierung der Grund ist, ist mir nicht bekannt. Und so kann man nur von außerhalb der militärisch gesicherten Absperrung besichtigen.

Wir beginnen die ziemlich ausgedehnte Anlage zu umrunden, misstrauisch beäugt von den Überwachungskameras und den hier grasenden Kuhherden. Bei Letzteren bin ich tatsächlich noch mehr eingeschüchtert, seit ich mal bei einer Wanderung in Südtirol für meinen Geschmack viel zu nahe an zwei um eine Kuh streitenden Jungbullen war.

Nach etwa vier Kilometern sind wir fast einmal um die Anlage herum gelaufen, nur ein paar hundert Meter die Strasse runter ist der Parkplatz.

Doch Spanien wäre nicht Spanien, wäre am Ende des Wanderwegs nicht ein Zaun mit einem verschlossenen Tor. Die Eine mehr, der Andere weniger elegant klettern wir über das Gatter und machen uns auf den Weg zum wohlverdienten Mittagessen – bei 40 Grad in der prallen Sonne sind 4 oder 5 Kilometer Spaziergang ausreichend sportliche Betätigung für den Tag.

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