Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Sterne kucken mit Bonusfeature

Nach dem erfolgreichen Probelauf des Sterne-Guckens vor drei Wochen kommt jetzt die Wiederholung mit der Besten aller Ehefrauen. Direkt nach der Arbeit düsen wir los, diesmal mit anderer Route, aber es dauert immer noch über 2 Stunden für die etwas über 150 km. Und wie vor drei Wochen führt die Strecke Richtung Rauchsäule – diesmal brennt es deutlich näher. Auf der anderen Seite des Gredos-Massivs in „Santa Cruz del Valle“, nur 10 Kilometer entfernt, brennt es an mehreren Stellen auf dem Berg, wir sehen auch einen Hubschrauber auf dem Weg zurück vom Feuer.

Der Rauch zieht Richtung Norden über zig Kilometer, es sieht aus wie ein Vulkanausbruch:

Mit bloßem Auge ist das wie eine Wolke, es sieht statisch aus. Im Zeitraffer sieht man erst, wie der Qualm nach oben drängt.

Wir sind fast allein auf dem Aussichtspunkt, nur ein schnuckeliges Oldtimer-Wohnmobil steht auf dem anderen Ende. Wir beobachten mit Sorge, aber auch mit Bewunderung die Rauchfahne, und warten auf den Sonnenuntergang.

Nach Sonnenuntergang hatten wir erwartet, dass die Rauchwolke dann nicht mehr zu sehen sein würde – doch weit gefehlt! Die Flammen lodern weiter und illuminieren die Wolke, und wenn es vorher schon nach Vulkanausbruch aussah, dann jetzt erst recht!

Wir legen uns jetzt erst mal hin und stellen den Wecker auf 1 Uhr, denn bis 1:30 ist der Mond noch da und überstrahlt alles.

Der Monduntergang sieht dann auch gleich wie ein Sonnenuntergang light aus.

Wir sind ja wegen der Sterne hier, aber der Waldbrand fordert schon Aufmerksamkeit – die Faszination an der Katastrophe ist dem Menschen angeboren. Ich kann mich aber auch gelegentlich loslösen, und weil die Sicht heute deutlich besser ist – es ist fast windstill und kein Saharastaub in der Luft – gelingen mir deutlich bessere Bilder als letztes Mal.

Im letzten Bild sehr prominent ist Jupiter zu sehen, und jetzt juckt es mich in den Fingern. Heute, ohne Wind, müsste ich doch die Kamera auch mit 600 mm Zoom stabil auf dem Stativ ausgelöst bekommen. Nach mehreren erfolglosen Versuchen scharfzustellen und nicht zu verwackeln klappt es tatsächlich. Jupiter mitsamt vier seiner knapp 80 Monde ist deutlich zu erkennen. Wenn ich mich nicht verrechnet habe, dann müsste der Planet knapp 20 Pixel groß erscheinen. Auf den Bildern sind es 35–40, mit Überstrahlung kommt das hin. Mir scheint, ich habe mich nicht verrechnet. Vermutlich sind die Monde Io, Ganymed, Europa und Kallisto, und sie sind tatsächlich so „nah“ an Jupiter. Ios Umlaufbahn ist nur wenig größer als die des Mondes, aber Jupiter ist auch mehr als 10 Mal so breit wie die Erde. Und so ist das Verhältnis von Mondumlaufbahn zu Planetenradius nicht etwa 1:60 wie bei der Erde, sondern näher an 1:6. Sprich: maximal 60 Pixel vom Zentrum des Planeten entfernt. Auch das passt mit dem Bild zusammen – es scheinen wirklich die 4 großen Monde zu sein. Ich bin absolut fasziniert, mit einer ziemlich günstigen Kamera habe ich jetzt das erste Mal die Jupitermonde selbst gesehen – nicht auf fremden Bildern, sondern „live“. Hammer!

Und weil ich gerade dabei bin, klicke ich mir auch noch Saturn, der ein weniger weiter rechts auf der Ekliptik zu sehen ist. Natürlich ist der Ring nicht zu sehen, aber bei der Suche danach bei krass übersteuertem Gamma sind ein paar schwache Lichtpunkte um Saturn zu sehen. Ob das zufällig dahinter liegende Sterne sind oder dessen Monde kann ich aber nicht sagen.

Nach zwei Stunden Knipsen lege ich mich hin, und blicke noch 20 Minuten staunend senkrecht nach oben, die Milchstraße quer über den Himmel, ein halbes Dutzend Sternschnuppen, dazu Soundtrack von Kuhglocken, Pferdeschnauben, Grillen und sonst absolute Stille. Wunderschön!

Dafür bin ich beim Sonnenaufgang noch nicht fähig aufzustehen – meine bessere Hälfte springt ein, und knipst, wie die Sonne durch den braunen Rauchschleier aufsteigt.

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