Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Fast auf dem Teide übernachtet

Am Abend setze ich mich ins Auto und mache Fitness-Training: Rechts lenken, links lenken, runterschalten, noch weiter runterschalten. Auf 1500 m mache ich eine Trainingspause und trainiere den Auslösefinger. Auf einer Seite sieht man schon zum Teide, auf der Anderen runter zum Meer und auf La Gomera.

Die Sonne bringt das Meer zum Glühen, und die Wolken scheinen vorbei zu rasen.

Das mit dem Rasen ist allerdings ein Trugschluss, auf dem Zeitraffer sieht man: Die Wassertropfen rasen, die Wolke selbst ist stationär.

Es geht weiter nach oben, am Hang des Teide sieht man mehrere Nebenkrater, leider ist es da hoch einige hundert Höhenmeter über Geröll, und ich traue mich nicht, das kurz vor Sonnenuntergang und alleine zu laufen. Reizen würde es mich aber schon. Jetzt müsste ich eine Drohne haben…

Auf 2150 m komme ich bei den Roques de García an. Hier war einmal ein Krater, das Magma darin ist verhärtet und deutlich härter als das Gestein außen rum. Nach einigen Jahrtausenden Erosion stehen jetzt hohe Felsfinger in die Luft, und man hat gute Sicht in alle Richtungen, auf den Teide, auf die Ebene mit einem weiteren ehemaligen Lavapickel und die Sonne, die gleich untergehen wird. Die Schatten werden länger und länger.

Für mich mag die Sonne schon hinter dem Horizont sein, die Felswand hinter mir ist anderer Meinung. Knallrot glüht der Fels auf, bevor es überall dunkel wird.

Dunkel? Von wegen: Der Halbmond ist dermaßen hell, ich hatte schon Tage, an denen es dunkler war. Jetzt ärgere ich mich, ich hätte problemlos zu dem Krater hochsteigen können, man kann jedes Detail sehen und auch ohne Taschenlampe rumlaufen. Das bedeutet auch: Sterne sieht man, aber nicht besser als in der Stadt. Ich muss warten, bis der Mond um halb Vier unter geht.

Eine Zeit lang knipse ich noch die Sterne und die Felszinnen davor. Das ist schwerer als gedacht, hier oben bläst der Wind ganz schön kräftig, die meisten Bilder sind verwackelt. Wenn der Mond weg ist, muss ich das Stativ beschweren. Bis dahin will ich ein paar Stunden schlafen.

Ich klappe die Rückbank um und rolle mich in den Kofferraum. Weil der Polo aber ganz schön klein ist, geht das nur in Fötalstellung. Fast zwei Stunden geht das im Halbschlaf, dann bekomme ich einen Krampf im Bein und krabble fluchend aus dem Auto. Der Mond steht immer noch weit oben, der Wind ist noch stärker geworden, ich beschließe doch zum bequemen Bett zu fahren und lieber mal in der Guadarrama eine mondlose Nacht abzupassen.

Zurück an meinem ersten Stopp ist inzwischen eine dichte Wolkendecke. Als ich das erste Bild anschaue bin ich erstaunt: Die Wolken leuchten dort an einigen Stellen knallgelb, das sehe ich mit bloßem Auge gar nicht!

Nach einigen weiteren Bildern haben sich die Augen an die „Dunkelheit“ gewöhnt, jetzt sehe ich die durch die Lichter am Boden angestrahlten Stellen auch. Einen letzten Stopp in den Wolken mache ich noch, hier ist es schwülwarm wie im Dschungel, und man sieht die Lichter, die die Wolken zum Leuchten bringen.

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