Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Jahreswechsel 2021 / 2022

Ich habe mehrere Kollegen gefragt: Wie ist das hier eigentlich mit Feuerwerk in Madrid? "Nein, das gibt es hier nicht so viel". Dann lese ich am Vorabend: Feuerwerk in Madrid dieses Jahr verboten. Also erwarte ich nicht all zu viel.

Eigentlich wollten wir (also sie will…) nach Sol. Dort kuckt ganz Spanien hin, so wie die US-Ostküste zum Big Apple am Times Square. Hier am Uhrenturm am zentralen Platz in der Mitte Spanien bimmelt die Glocke 12 Mal zum Jahreswechsel, bei jedem Glockenschlag muss man eine Traube essen. Wer es schafft, so sagt die Legende, hat im neuen Jahr Erfolg und Glück. Die Trauben gibt es hautlos und eingelegt in der Dose zu kaufen – das rettet vermutlich jede Menge Menschenleben, weil man sich dann beim Verschlingen nicht so leicht Verschlucken kann.

Aber nach Sol sind wir nicht, aufgrund der wegen Omikron explodierten Fallzahlen – von fast nicht mehr vorhanden Anfang November auf Rekordstand – ist die Teilnehmerzahl deutlich beschränkt worden. Das ist mir auch ganz Recht, Menschenmengen und Betrunkene mit Bomben und Raketen sind nicht so mein Fall.

Die 12 Trauben (Doce Uvas) hatten wir aber trotzdem, und wir haben es uns halt im Stream angeschaut. Praktischerweise läuft unten ein Zähler mit, der Dir sagt wann Du die Traube in die Ladeluke schieben musst.

Das mit dem Feuerwerk scheint zu stimmen, die letzten Tage gingen zwar ab und zu ein paar Raketen hoch, aber heute ist das sehr zivil.

Kurz vor Mitternacht ist es über der Stadt ruhig und dunkel.

Also konnten wir ohne Hektik die Trauben essen und uns zum Jahreswechsel busseln. Ich will mein Stativ schon abbauen, da blitzt es über eine Minute nach Mitternacht das erste Mal.

Und das geht so weiter, bis wir ins Bett gehen. Um 2 Uhr knallt es immer noch.

Irgendwann fangen Nachbars hinter dem Haus an, sehr nah knallt es formatfüllend nebenan.

Es ist ein bisschen wie mit dem Tempolimit: Ich bin für ein Böllerverbot, aber solange man noch schnell fahren darf, nutze ich das, und solange Raketen fliegen gucke ich gerne zu.

Schlauer wäre es, der Quatsch zu verbieten und es stattdessen wie London zu machen: Eine gelungene Lightshow mit einer Flotte Drohnen von der Stadt organisiert, selber Ah!-Effekt, aber ohne eine riesige Menge Feinstaub und Müll, Verletzte und Tote, panische Tiere und Menschen.

Aber Veränderung fällt uns Menschen schwer, und so wird man auch noch viele Jahre irrwitzig schnell fossile Treibstoffe verblasen, an Silvester ballern und so viel CO2 ausstoßen, dass das Klima unsere Kinder und Enkel umbringen wird. Und es wird noch ein paar neue Corona-Wellen geben, und wir werden jedes Mal wieder vollkommen überrascht sein, und keine Konzepte haben. Aber: 2022, proof me wrong! Damit gute Nacht, frohes neues Jahr – für mich war 2021 trotz Corona ein weiteres tolles Jahr, und ich freue mich auch das Nächste!

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