Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Fort Meade

Beim Studieren der Karte am Morgen sehe ich Fort Meade ganz in der Nähe. Wieso kommt mir das gleich wieder bekannt vor? Ach ja, da sitzen die Typen, die so gerne zuhören wenn unsere Kanzlerin ihren Mann anruft um ihm zu sagen, dass es heute mal wieder später wird. Das muss ich mir mal ankucken. Auf dem Highway steht ein Schild für ein „National Cryptographic Museum“ und das „NSA Visitor Center“. Na um so besser, mal kucken, wie die sich im Visitor Center so präsentieren.

Ein unscheinbares Bürogebäude und riesige Parkplätze, und ein Schild Museum links, Visitors rechts. Ich fahre rechts und komme an ein Schrankenhäuschen. Den Pass will der Guard sehen, die Papiere für das Auto, dann will er auch kurz das Innere inspizieren – kenne ich ja schon von der Air Force Base. Was ich hier will? Das Visitor Center besichtigen. Aha. One minute please. Er geht in sein Häuschen, und ein Polizeiauto fährt vor. Und noch eins. Und ein Drittes. Ein Polizist geht um mein Auto und kuckt interessiert. Ich frage ihn ob es ein Problem gibt. „No, Sir, no problem.“

Dann kommt der Guard wieder und fragt ob ich mit meiner Kamera die vorne im Auto liegt Fotos gemacht habe. Ich zeige ihm die zwei Fotos (Eines vom Schild der Autobahnausfahrt „NSA“, eines vom Schild am Eingang des NSA-Geländes). „Just one more second, Sir!“.

Inzwischen dauert die Sache schon eine Viertelstunde und ich sage dem Guard, dass ich das Center nicht unbedingt besuchen muss, wenn das so ein Aufwand ist. Ich erfahre, dass das Visitor Center nicht wirklich ein Visitor Center im Sinne von Besucherinformation ist, sondern nur für offizielle Besuche. Ach so, sage ich. Das wäre missverständlich, in dem Fall fahre ich jetzt einfach wieder rückwärts raus und rüber zum Museum – das ist auch wirklich eines und „Open for the public“.

Da gibt es nur ein Problem: Ich habe diese Kamera, und deswegen würden sich ein paar Agents gerne mit mir unterhalten. Ein Polizist kommt dazu und fragt mich noch mal ein bisschen aus, was ich denn so vorhabe. Ich antworte wahrheitsgemäß, und dann soll ich doch einfach umdrehen. Ein Polizeiauto fährt dicht vor mir, eines dicht hinter mir und ich werde an eine ruhigere Stelle des Parkplatzes geleitet.

Dann kommen die Agents angefahren, ein dürrer Mann und eine dürre Blondine, die aber nur zukucken darf. Der Agent fragt noch mal, wer ich bin, wo geboren, wo ich arbeite, wann und wo ich eingereist bin, wann und wo ich wieder ausreisen will. Er notiert alles brav (auf Papier!). Ich verkneife mir zu sagen, dass er das doch alles sicher schon inklusive meiner Fahrtroute und meiner sämtlichen Kontakte im Land in seiner Datenbank hat. Dann – das hat er bestimmt in einem tollen Verhörseminar gelernt – dreht er sich um als ob er gehen will, und wieder mit einem sanften Grinsen zurück, als ob ihm grad noch was eingefallen wäre. Ob ich für die deutsche Regierung arbeite? Für das Militär vielleicht? Sonst irgendeine Behörde? Just asking…

Anschließend muss ich die beiden hochdiskriminierenden Fotos löschen – beide auf öffentlichem Gelände aufgenommen und kein Millimeter des Geländes außer dem Eingangsschild ist zu sehen. Aber gut, wenn es ihn glücklich macht. Er betont ebenso wie der Polizist: „You are absolutly in no trouble, Sir. No need to be alarmed!“. Im Film wäre das jetzt der Zeitpunkt, an dem man seinen Anwalt anruft und besser eine kugelsichere Weste trägt.

Ich erkläre dem Agent auch noch, dass es ein wenig missverständlich ist, das Gebäude Visitor Center zu nennen, jeder Bundesstaat hat so etwas an der Grenze, die Nationalparks haben das, und immer heisst es: Komm hierher, hier gibt es Infos für Besucher. „Yeah, I know, happens all the time. You are not the first.“ antwortet der Agent grinsend. Ach nee, vielleicht solltet ihr dann mal drüber nachdenken das freundlich einladende Schild „Visitors“ anders zu beschriften? Anscheinend haben die nicht genug zu tun, denn inzwischen beschäftige ich hier locker 10 Leute, die sich mit mir unterhalten wollen oder mit Griff am Waffengürtel um das Auto stehen.

Nach einem weiteren Telefonat bin ich dann „good to go“, und es dauert nur noch wenige Minuten und weitere Telefonate, bis ich meine Papiere wieder kriege.

Im Endeffekt hat es dann nur eine knappe Stunde gedauert, aber es kam mir mindestens doppelt so lang vor. Auf das Museum, das mir wärmstens empfohlen wird, habe ich keine Lust mehr, und auch keine Zeit, denn ich habe eine Fähre zu erwischen.

Wie komme ich denn jetzt hier am Schnellsten wieder raus? Am Kreisverkehr rechts, sagt der Guard. Ich mache das, und stutzte und bleibe nach dem Kreisverkehr direkt stehen – das sieht mehr nach Eingang für die Mitarbeiter aus. Das war aber schon zu viel, mit quietschenden Reifen schießt ein Polizeiauto aus dem Schrankenbereich, stellt sich schräg blockierend auf die Straße, und jetzt wird es wirklich Hollywoodreif. Einer rechts, einer links springen die Beamten aus der Tür, verschanzen sich dahinter und zielen mit dem Gewehr auf mich.

Ich sitze zitternd und schwitzend mit erhobenen Armen hinter meinem Lenkrad, und überlege ob ich jetzt eine Pfütze auf den Sitz machen will. Da kommt der rettende Guard mit winkenden Armen über die Wiese gerannt und klärt auf. Er meinte ja nicht rechts, er meinte geradeaus, dort wäre das tolle Museum, das ich unbedingt besuchen soll! Mit verbissener Miene knirsche ich ihn an: „Please, just tell me where the f***ng exit is!“. Unter immer noch auf mich zielenden Gewehrläufen drehe ich um und verlasse das Gelände.

Da die lieben Herren vom Geheimdienst hier bestimmt mitlesen: Ihr wart sehr freundlich, danke. Das nächste Mal dann bitte den Cheeseburger mit Pommes und eine Cola Light ohne Eis. Danke!

Ach ja, noch was: Inzwischen gibt es auch in Mobiltelefonen Kameras – Wusstet ihr bestimmt nicht, kein Thema, ich sag es Euch gerne. Das Foto vom Parkplatz ist aber weder spannend noch irgendwie informativ. Um zu vermeiden, dass ich bei der Ausreise dann den Burger wirklich angeboten bekomme bin ich brav und lösche das Bild anstatt es hier zu posten. Ok? Ich nehme stattdessen das Bild von eurer Webseite, das ist eh viel schicker, zeigt allerdings auch mehr Hintergrund, ich hatte das Schild ja ohne außenrum…

Weiter Beitrag

Zurück Beitrag

Antworten

© 2021 Unterwegs

Thema von Anders Norén