Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Washington, DC

Meine Erwartungen an die Hauptstadt waren gering: Eine heruntergekommene Stadt mit ein paar Denkmälern im Zentrum und viel Armut und Kriminalität. Und im Wesentlichen stimmt das auch: Die Stadt ist schmutzig, die Strassen haben Schlaglöcher in denen man Kinder baden könnte, überall ist Stau. Aber: Washington hat was.

Ich parke im Norden der Stadt an einem Schwimmbad – nachdem ich die letzten Tage immer „wild“ geparkt hatte, ist eine Dusche dringend nötig. Eigentlich ist das Bad nicht offen, weil Schwimmstunde ist, aber ich kann die Kassendame überreden trotzdem zum Duschen reinhüpfen zu dürfen.

Danach geht es mit dem Rad Richtung Innenstadt – eine kleine Pause ist nötig, als die Feuerwehr eine Straße flutet – ich habe nicht verstanden, warum?

Man sieht deutlich dass die Stadt von Engländern gebaut wurde, an mancher Straßenecke meint man gleich die Themse zu sehen. Ebenso wie die Hauptstadt des US-Staates vor der Küste Frankreichs hat Washington viele schöne alte Häuser aus den leider vergangenen Zeiten, in denen Architektur noch etwas mit Kunst und Ewigkeit zu tun hatte. Es gibt Viertel mit hübschen bunten viktorianischen Häusern wie in San Francisco, abgefahrene alternative Strassen, rote Backsteinhäuschen und dann natürlich die National Mall.

Gibt es eigentlich Studien über die Penislänge von mächtigen Männern? Was müssen Ramses, Cäsar, Washington und all die anderen kompensieren um so einen Phallus in die Landschaft zu setzen? Ja, ich weiß dass das Washington Monument erst 50 Jahre nach dessen Tod erbaut wurde, dennoch…
Sollte Hillary Präsidentin werden, was für ein Denkmal baut man ihr dann? Zwei riesige Kuppeln?

Die Mall ist ein fast 4 km langer und 500 m breiter Streifen Park vom Kapitol (Kuppel wird gerade renoviert) zum Potomac River, gesäumt von Museen, Kunstgalerien, Denkmälern. Alles mit freiem Eintritt! In der Mitte steht das 555 Fuß (170m) hohe Washington Monument, ein gigantischer Obelisk.

Hier zweigt ein Streifen Park nach Norden ab, an dessen Ende steht das Weiße Haus, daneben das eigentlich viel hübschere Eisenhower-Haus in dem aktuell Hillary Clinton ihr Büro hat. Mein Kumpel Barack wollte sich eigentlich zum Lunch mit mir treffen, aber Donald Tusk hat ganz wichtig was mit ihm zu bereden, und das geht natürlich vor.

Vor dem Eingang des Präsidentenpalastes zeigt der Secret Service ebenso Präsenz wie die Zeugen Jehovas die in der ganzen Stadt verteilt auf Englisch und Chinesisch(!) neue Schafe suchen.

Zwischen White House und Obelisk ist der Garten der deutsch-amerikanischen Freundschaft. Den muss man suchen, so klein ist der. Und besonders gepflegt sieht er auch nicht aus – ob das was zu sagen hat?

Am westlichen Ende der Mall ist das Lincoln Memorial, danach geht es über den Potomac. Eine Brücke weiter südlich stauen sich die Eisschollen obwohl es überall frühlingt. Der Seitenarm zwischen Jefferson Monument, Roosevelt Memorial und Mall ist noch ganz gefroren.

Die Wege sind das leider nicht, schlammige Wege durch den Park lassen ihre Spuren an meinen Füßen, meinem Rad und einen Bikerkackdreckstreifen am Rücken hab ich am Ende auch – mein Schmutzschutzblech hat sich leider irgendwann in den letzten Tagen selbstständig gemacht.

Auf dem Rückweg komme ich am Zoo vorbei – auch freier Eintritt. Ich kann nach wie vor nicht verstehen, wieso es Tierliebe sein soll wilde Tiere in kleine Käfige zu stecken. Der Gorilla sieht so traurig aus, ich könnte weinen!

Zurück am Auto bin ich ziemlich am Schnaufen, Washington hat auch was von Rom: Hügel. 50 km hoch und runter, hoch und runter. Ich bin sehr positiv überrascht, eine Stadt mit Flair!

Ob ich morgen – es ist Regen angesagt – mit den Öffentlichen in die Stadt fahre, um die Museen anzuschauen oder doch lieber noch mal ein bisschen Natur genieße, hab ich noch nicht entschieden. Ich tendiere aktuell eher zu Letzterem, in NY krieg ich noch genug Museen zu sehen, und das Smithsonian hat mir ja Ben Stiller schon im Kino gezeigt.

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