Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Geier und Steine

Bei Manzanares el Real sind die Berge von großen Felsen bedeckt, das sieht schon wirklich ganz anders aus als in den deutschen Alpen.

Eigentlich wollte ich mit mit einem Kollegen einen „leichten“ Wanderweg in ein Tal hinein laufen, aber der Parkplatz ist übervoll und auch der Ort in weitem Umkreis um den Parkplatz völlig zugeparkt.

Also suchen wir schnell eine neue Route, oben auf diesen Berg soll es gehen. Sieht von unten gar nicht schwer aus. Zuerst müssen wir jedoch erst mal zum Berg kommen, es geht am Rio Manzanares entlang. Der Bach ist hier noch klein, wird bis Madrid zwar größer, aber nicht wirklich viel.

Welch ungewohntes Bild: Wasser und Grün!

Nach 3km am Bach entlang geht es dann endlich hoch. Und wie es hoch geht! Über Stock und Stein – hauptsächlich über Letzteres – geht es zapfig steil nach oben. Schon nach wenigen Metern kleben meine Hände – merke: das Gebüsch nicht anfassen. Das ist nicht nass, sondern ölig und harzig. Das wird uns den ganzen Tag begleiten, und ich hoffe, es geht aus den Klamotten wieder raus.

Kurz darauf wird die Aussicht weit, zwischen zwei vorgelagerten Hügeln blitzen die Cuatro Torres durch, und man kann auf das Castillo de Manzanares herabblicken.

Je weiter wir hochsteigen, desto mehr erheben sich die Cuatro Torres über den Gipfel der Hügel.

Außerdem ist man erst weit unter den kreisenden Geiern, dann fliegen sie teilweise recht nah über uns und teilweise sogar unter uns. Ob sie Beute wittern? Würde mich nicht wundern, die Felsen sind narrisch glatt mit einer Sandschicht drauf, und der Weg nicht nur steil, sondern teilweise auch zum Kraxeln.

An einer Stelle muss man sich auf dem Allerwertesten über einen schrägen Fels schieben, weil die Schuhe keinen Halt finden. Mein Gesäß auch nicht, ich sause 2 Meter herab und darf kucken, wie ich wieder hoch komme. Wir rutschen Beide noch mehrmals aus, und am Ende des Tages bin ich an Händen, Armen und Beinen ziemlich zerkratzt.

Dennoch kreisen die Geier nur, und müssen sich nicht an meinem Körper den Magen verderben. Das Kreisen machen sie aber äußerst elegant!

So nah habe ich die Geier fliegend noch nicht vor die Linse bekommen – nur einmal im Winter auf dem Felsen hockend. Dafür, dass sie vom Aussterben bedroht sind, sind hier ganz schön viele unterwegs – wobei es glaube ich auch nicht die seltenen Schwarzgeier sind.

Neben Geiern gibt es auch viele lustige Steine zu sehen, scheinbar Schwebende oder Frösche zum Beispiel.

Bergab geht es dann glücklicherweise mit weniger großen Stufen – dafür schön rutschig, meistens können wir uns aber fangen bevor der Hintern mit dem Boden Kontakt aufnimmt.

Und wir müssen uns nicht abseilen, das lassen wir die Profis machen.

Wieder unten angekommen geht es noch eine Stunde am Manzanares entlang, der auf mehrere Kilometer als Picknickplatz genutzt wird. An einer noch nicht besetzen Stelle machen wir auch ein solches.

Das waren heute nur 400hm, aber jeder Einzelne hart erkämpft, und es sind dann doch 16km zusammen gekommen. Mein Muskelkater morgen wird mit Stolz ertragen, aber als ich daheim in die Badewanne steige geht das mit viel Mimimi.

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