Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Organ Pipes National Monument

Weiter Richtung Süden, mehr Border Controls. Übernachtet habe ich diesmal an einem Campingplatz – eine Dusche war gelinde gesagt mal wieder nötig.

Kurz vor der Grenze ist das Visitor Center, hier hat man sich viel Mühe gegeben, ein Garten mit Erklärungstafeln, eine Ausstellung, ein kurzer Film über den Park. Und eine Frau, die über die Gebräuche der „Tohono O’Odham“ spricht, die die Gegend seit Jahrtausenden bewohnen. Inklusive des Rituals das fast alle Religionen kennen – Opfern an den oder die Götter. Hier sieht das so aus:

Die Früchte der Saguaro und Organ-Pipe-Kakteen werden in verschiedenen Stufen entkernt, entsaftet, eingekocht, etc. Am Anfang wird der Saft entnommen und bis zum Ende des dreitägigen Vorgangs in die Sonne gestellt. Natürlich fermentiert der Saft dabei kräftig. Und wenn alles fertig ist werden alle Nachbarn eingeladen und es wird gefeiert, gegessen – und der inzwischen hochprozentige Saft wird von den Männern (inzwischen auch den Frauen) getrunken. Solange bis man alles Gegessene und Getrunkene den Göttern wiedergibt. Also solange bis auch der Letzte sich volltrunken seine Seele aus dem Leib gekotzt hat. Ein tolles Ritual – viel spannendere Religion als diese öden Spaßbremsen im Vatikan!

Weil ich doch gerne mal sehen würde wie so eine USA-Mexiko-Grenze aussieht radle ich dort hin, und danach noch ein wenig durch den Park, solange bis die Strasse ungeeignet wird.

Auf dem Rückweg sehe ich ein mir unbekanntes Tier über die Straße fetzen, so etwas wie ein Hermelin, nur etwa größer und dunkelbraun. Weil ich gerne wüsste was es ist, frage ich im Visitor Center nach. Erst wird vermutet, dass es ein Squirrel war, aber nachdem wir ein bisschen im Buch geblättert haben, habe ich das „White-nosed coati“ (Weißrüssel-Nasenbär) erkannt. Die Angestellten werden ganz nervös und rufen gleich den örtlichen Biologen an – ich soll ein Tiersichtungsprotokoll ausfüllen, das sofort aufgehängt wird. Im Visitor Center freut man sich „tierisch“, dass scheinbar wieder einer ansässig ist. Schade dass das Vieh viel zu schnell für ein Foto war. Wenn jemand von Euch zufällig mal hier vorbeikommt – kuckt ob mein Zettel noch hängt!

Ach ja, noch eine Anekdote: Ich habe meiner geliebten Gattin gestern erzählt dass es hier so viele Saguaros gibt. Sie konnte damit nicht gleich was anfangen, also habe ich erklärt dass das diese typischen Mexiko-Kakteen aus dem Wild-West-Filmen sind. „Ach, die Ralph-Ruthe-Kakteen?“. Sind dann die mit den runden Blättern die Koala-Familie oder Micky-Maus-Kakteen?

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