Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

El Torcal

Marbella hat außer Hotelburgen wenig zu bieten, und so wollen wir „nur schnell“ ins benachbarte Málaga. Dummerweise ist auf der Autobahn Totalsperrung – schon wieder. Das hatten wir vorgestern erst. Also „Ok Google, Autobahn vermeiden“. Wenn es mal verbindet und nicht abstürzt, und man die Totalüberwachung ausblendet, funktioniert Android Auto ganz gut.

Das bedeutet aber: Statt am Meer entlang dicht unter den Wolken geht es jetzt in die Berge und voll in die Wolken rein. Für die 40km Luftlinie brauchen wir somit 1,5h. Entschädigt werden wir mit teilweise wirklich mächtigen Panoramen, wenn wir mal unter der Wolkenschicht sind und irgendwo die Sonne durch ein kleines Loch ein Spotlight auf die Erde wirft.

In Málaga fängt es kaum, dass wir das Parkhaus verlassen, wieder zu nieseln an, und für Kunst kann ich niemanden begeistern.

Also kein Centre Pompidou, sondern zurück zum Auto, und wieder in die Berge. Málaga begeistert uns nicht, wenn es hier was Spannendes zu sehen gibt, haben wir es übersehen.

Unser eigentliches Ziel war sowieso…

El Torcal

Das Naturschutzgebiet erreichen wir nach 60km langem Aufstieg mit vielen Kurven auf engen Straßen, in dem wir von Meereshöhe auf 1250m fahren. Allein das ist schon toll, aber die letzten 5km, auf denen wir auf die felsige Karstformation oben auf dem Bergkamm zufahren und dann hochfahren sind beeindruckend!

Die Felsen oben erinnern mich an das Hidden Valley im Joshua Tree NP oder an die sächsische Schweiz bei Dresden. Vom Aussichtspunkt überblickt man die Berge bis runter zum Meer.

Málaga erkennt man in der Bildmitte links des hellen Loches, durch das Sonne und Regen durch die Wolken fallen. Wo genau der Horizont zwischen Meer und Himmel verläuft erkenne ich auch beim Reinzoomen nicht.

Wir starten den Rundweg, aber es ist so rutschig und matschig, dass wir nicht weit kommen. Das ist sehr schade, denn El Torcal ist eindeutig ein Beispiel dafür, dass die großartigen Naturschauspiele, die wir hier in Europa haben eindeutig viel zu wenig bekannt sind. Andererseits, das ist auch gut so, eh genug Besucher überall!

Nachdem wir die Schuhe notdürftig vom rotbraunen Schlamm gesäubert haben fahren wir auf der Nordseite den Berg wieder runter.

Auch auf dieser Seite lohnt die Aussicht, und 700m tiefer erreichen wir die kleine Stadt Antequera mit Burg.

Hier kann man 6000 Jahre alte Dolmen besichtigen. Diese Kultstätten / Grabmale bestehen aus in Pi-Form übereinander gelegten Steinen, so groß, dass ein Dolmen einen Raum von etwa 20 auf 4 Meter schafft. Wie die Menschen das 1000 Jahre vor der Domestizierung der Pferde geschafft haben ist mir ein Rätsel!

Gut, dass wir den Wanderweg oben am Torcal nicht weiter gegangen sind, inzwischen ist der Gipfel in dichten Wolken.

Der Wetterbericht sagt, es soll ab Morgen endlich wieder gutes Wetter sein. Das wäre gut, denn selbst die schönsten Orte wirken im Nebel und Grau irgendwie fad.

Wir wägen ab, wie es weiter gehen soll – Córdoba oder Granada? Granada punktet mit der Alhambra, und so fahren wir ostwärts am schlafenden Indianer vorbei.

Bereits von weitem wird klar, dass Granada an der Sierra Nevada liegt, denn hier liegt tatsächlich noch Schnee!

Schnee in Südspanien, krass! Tatsächlich haben hier Ende April immer noch mehrere Lifte geöffnet, wir könnten morgen Skifahren gehen. Ich würde mir aber lieber bei der Besichtigung der Alhambra ein durchgeschwitztes Shirt holen!

Ach ja, und ein paar schöne Blüten habe ich den Tag über verteilt auch gefunden.

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