Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

The TOP OF THE ROCK

Auf dem Top of the Rock war ich schon einmal – In NYC im Rockefeller Center war das recht einfach. Auf den Rock in Gibraltar zu kommen, war wesentlich schwieriger.

Gestern stoppt uns ein Security-Mensch – mit dem Auto ist das ein Neinnein! Überhaupt Auto und Gibraltar – heute sind wir schlauer und gehen zu Fuß die Winston-Churchill-Avenue entlang.

Allerdings nicht weit, gleich nach der Grenze muss man quer über das Flugfeld, und das ist gesperrt, bis die RAF-Maschine gestartet ist.

Nach dem Start gehen die Pforten wieder auf, und wir können den Flughafen überqueren.

Aufgrund der flachen Aufnahme über den Tarmac erscheint es so, als ginge der Runway direkt in den Hafen über
Gibraltar ist nun mal in erster Linie ein Militärstützpunkt

Wir schlendern entlang der „Casemate“ durch die Stadt. Die Fußgängerzone ähnelt einem Flughafen: Schnapsläden, Parfümerien, Juweliere, Restaurants und Pubs in schier endloser Wiederholung. Schließlich ist hier auch Duty Free.

Überall stehen Minibusse, deren penetrante Fahrer für 35€ eine Rundtour mit allen Attraktionen am Fels anbieten. Wir können widerstehen und laufen zur Seilbahn. Die Schlange ist lang, und diese Tatsache wird von den auch hier herum schwirrenden Guides permanent betont. Richtig lästig werden sie, als die Seilbahn aufgrund des noch stärker werdenden Windes schließt.

Wir glauben immer noch schlauer zu sein, und suchen ein Taxi, dass uns für weniger als 3*35€ hoch fährt. Die MyTaxi-App zeigt „mehr als 30min Wartezeit“ an, und am Taxistand ist auch gähnende Leere. Schließlich klärt uns ein (offensichtlich australischstämmiger) Polizist auf, dass Taxen dort sowieso nicht hochfahren dürfen. Und dass die Minibusse es „totally worth“ sind, mate!

Na gut, dann halt doch Touri-Bomber. Zuerst geht es zu einem Mirador (Aussichtspunkt), die Sicht unterscheidet sich aber kaum vom Europa Point gestern. Neben Marokko sieht man natürlich auch den an Gibraltar angrenzenden spanischen Hafen von Algeciras.

Eigentlich wollten wir mit so einem Schnellboot heute nach Ceuta, aber das kostet 60€ für die 22km – pro Nase. Die einzige Alternative dazu ist ein Flug mit dem Helikopter, und wenn man überlegt, dass der etwa 90-100€ kostet, wird klar was für ein Nepp die Schiffsüberfahrt ist. Es reizt mich mit dem Heli überzusetzen, aber 300€ sind einerseits eine Menge Geld und andererseits halte ich es bei dem Wind heute für keine gute Idee. Und die Abzocke am Schiff mache ich aus Prinzip nicht mit.

Der zweite Halt auf unserer Tour ist die St. Michaels Cave, eine Tropfsteinhöhle, die zu einer Touristenfalle umgebaut wurde. Eine Konzertsaal mit Bestuhlung hat den Boden zerstört, und die Stalaktiten werden mit Discolichtern im Takt zu „Don’t cry for me, Argentiiiinaaaaa!“ angeleuchtet. Dicht gedrängt werden die Touristenmassen durch die Disney-Höhle geschoben, ich bin angewidert und will nur ganz schnell wieder raus.

Es geht weiter den Berg hoch, hier oben herrschen die im 8 Jhdt. von den Arabern mitgebrachten Affen, die von den Tourguides angefüttert werden. Einerseits finde ich es cool, so nah und so viele Affen zu sehen, andererseits widerstrebt es mir, die Dressur der Tiere zu unterstützen, die auf Pfiff und mit Leckerli gelockt den Besuchern auf die Schultern hüpfen.

Von hier oben am Kamm blickt man auch die steile Ostseite herab, hier geht es ganz schön runter!

Ein letzter Stopp kommt noch, der Blick Richtung Norden über die Grenze, die Kanone zielt immer noch zu den Spaniern.

Wir laufen die drei Kilometer zurück zum Auto hinter Marc her, der es eilig hat endlich wieder nach Spanien zu kommen. Die Hektik, die Enge und das nicht hierher passende Great Britain gefallen ihm nicht. Aber es hilft alles nichts, vorher muss ein Strongbow her – ich kann doch nicht in GB sein ohne einen Cider zu trinken!

Ein letzter Blick auf den Felsen

Frisch gestärkt fahren wir weiter nach Marbella – ich natürlich als Beifahrer – und laufen nach dem Abendessen noch auf ein Frozen Yoghurt zur Strandpromenade. Die Runde wird kurz, es fröstelt nicht nur der Yoghurt, auch die Luft kühlt bei schwindender Sonne beträchtlich ab.

Während des Eisessens hilft mir der Pythagoras sowie Google Maps und Taschenrechner auf meinem Handy um zu erkennen, dass die 80km entfernten marokkanischen Berge am Horizont unten durch die Erdkrümmung bereits um knapp 500m abgeschnitten sind.

Weiter Beitrag

Zurück Beitrag

Antworten

© 2019 Unterwegs

Thema von Anders Norén