Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Sabine Wildlife Refuge

Nachdem der Tag moskito-bedingt mit müden Augen und nebel-bedingt mit wenig Aussicht für die Augen beginnt klart gegen halb 11 sowohl meine Laune als auch das Wetter auf. Das Meer ist hier eher unspektakulär, ein wenige Meter breiter Sandstreifen und brackiges undurchsichtiges Wasser. Im Wasser eine Bohrinsel, am Strand viel Müll.

Dafür ist der Blick in die andere Richtung schön – Marschland mit hohem Gras und Schilf. Im Wildlife Refuge sehe ich interessante Vögel wie etwa den schönen „rotflügeligen Schwarzvogel“ – ein schlanker Rabe mit knallroten Rallyestreifen, dazu die schon gestern entdeckten Reiher in grau und weiss, Enten und ein Raubvogel den ich nicht bestimmen kann. Außerdem läuft ein Nutria über den Weg, ein vom Aussehen her Otter-ähnliches Tier, und immer wieder höre ich sie vor mir ins Wasser springen und wegtauchen. Die meisten Tiere hört man aber nur rascheln und rufen, im dichten Gras sieht man sie nicht. Das ist auch gut so, denn Jagen ist hier erlaubt, und es liegen einige Patronenhülsen rum. Dennoch schön hier, der 3 km-Trail mit Aussichtsplattform ist schön gemacht!

Interessant finde ich auch die hier lebenden Wespen. Die habe ich am Observatory in Texas schon gesehen, dort sind alle hektisch zur Seite gesprungen und haben gewarnt dass die so gefährlich und aggressiv wären. Mich hat jedoch keine gestochen, obwohl eine Menge rumflogen. Interessant sind die Wespen vor allem im Flug, sie haben sehr lange Hinterbeine die im Flug deutlich sichtbar runterhängen und sie fast wie Flip aus Biene Maja aussehen lassen.

„Gators“ sehe ich keine, aber das wurde mir schon angekündigt, als Kaltblüter ist es denen noch nicht warm genug, die sind noch im Winterschlaf im Schlamm eingegraben.

Auf dem Weg zurück zur I-10 erkenne ich dass die schmutzige Wolke die schon vom Refuge aus zu sehen war keine natürliche ist, sondern eine Rauchwolke. Zuerst denke ich es ist irgendwo in einer der Fabriken etwas passiert, von näher sehe ich jedoch dass nur ein Farmer irgendwelche Pflanzenabfälle verbrennt – nur halt in etwas größeren Mengen als bei uns.

Solche Rauchsäulen sehe ich den ganzen Tag auf der Fahrt, scheinbar ist hier Frühlingsputz auf den Farmen, überall qualmt und raucht es.

Die Landschaft im Landesinneren ist eher unspektakulär: Flach, Wiesen und Felder, Kanäle, kleine Wälder. Aber die Siedlungsdichte ist deutlich höher als in den Gegenden in denen ich vorher war; wie in Europa ist hier dichte Bewirtschaftung. Es ist offensichtlich reichlich Wasser für die Landwirtschaft da, selbst Reisanbau ist möglich.

Entlang der Straße verläuft an Masten die obligatorische Strom- und Telefonleitung, und weil hier jedes Haus seinen eigenen Schattenspender-Baum hat kommen sich Leitung und Baum häufig in die Quere. Die Lösung sieht oft lustig aus, der Baum wird einfach in der Mitte beschnitten und wächst an der Leitung vorbei. In besonders große Baumeronen, die die Straße behindern wird kurzerhand ein lastertauglicher Tunnel geschnitten, das sieht schick aus und hilft Mensch und Natur.

Richtig Louisiana-Sumpf-Feeling kommt am Abend auf, aber dazu morgen mehr.

Anmerkung am Rande: Für ein Cider, das nicht von der Insel kommt, ist Woodchuck erstaunlich gut, das gibt es hier in Boxen mit gemischten Sorten (Granny Smith, Amber, Seasonal, …) zum durchprobieren. Lediglich eine Sorte ist ziemlich ungenießbar: Pumpkin Cider. Uaaah, wer kommt den auf so eine Idee? Da muss man schon Hardcore-Halloween-Kürbiskopf sein um das gut zu finden. Wobei, der Geschmack passt zu Halloween: Gruselig!

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