Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Castilla y León

Wir haben in der alten Heimat in, zwei Dinge zu erledigen, und diesmal wollen wir nicht den blöden Flieger nehmen. Mit meinem Stiefsohn im Gepäck machen wir uns auf die knapp 2.000 km lange Strecke. Allerdings lassen wir uns beim Hinweg Zeit, und bauen ein paar Schlenker ein.

Wir beginnen damit, dass wir statt Richtung Nordosten nach Nordwesten starten.

Tordesillas

Nachdem die christlichen Barbaren 1492 die deutlich fortschrittlichere und sozialere Zivilisation der Mauren auf der iberischen Halbinsel vertrieben hatten – und die christlichen Tugenden von Unterdrückung und Herrenmenschentum sich durchgesetzt hatten – begann für die spanischen und portugiesischen Herrscher eine Epoche von grenzenloser Selbstüberhöhung.

Die "Reyes católicos" von Kastilien und Aragón sowie der portugiesische König wollten die Welt beherrschen. Portugal hatte mit der Umrundung von Afrika und dem Seeweg nach Indien vorgelegt, und im selben Jahr als mit Granada die letzte maurische Stadt fiel, entdeckte Kolumbus ein paar Inseln westlich der Kapverden.

Die drei KönigInnen wollten mit ihren Soldaten die neu entdeckten Länder ausbeuten, und nicht einander bekämpfen. Und so baten sie den ebenfalls für Menschenliebe bekannten Papst zu schlichten. 1494 einigten sie sich in Tordesillas darauf, die Welt einfach in zwei Hälften zu teilen. Der Westen wird spanisch, der Osten portugiesisch. Die dort lebenden Menschen waren nur Kriegsbeute.

Im Jahr darauf wurde die Grenze noch einmal nach Westen verschoben – ein Kapitän aus Portugal hatte sich verfahren, und ein Land mit harten Hölzern („Brasil“) entdeckt. Und so spricht man heute in Brasilien portugiesisch und im Rest von Süd- und Zentralamerika spanisch.

In eben jenem Tordesillas halten wir an. Die Stadt scheint keinesfalls beschämt ob der Unverschämtheit des Vertrags.

Es ist ein kleines Städtchen, das außer einem großen Kloster wenig Sehenswürdiges hat. Aber es liegt ziemlich schön am Duero, und neben dem Toro gibt er auch eine Schlange zu sehen, und der Reiher bewegt sich sogar.

Es geht weiter durch die gelb-braune spanische Landschaft, wir kommen gut voran.

Zur Mittagszeit erreichen wir …

León

Die Stadt ist ein Schmuckstück, bereits als wir aus der Parkgarage kommen, begrüßt uns ein prachtvolles, aber wehrhaftes Rathaus.

Wir schlendern ein paar Kilometer durch die Stadt, und entdecken jede Menge skurrile und schöne Dinge.

Ziemlich überraschend ist, als wir in der Stadtmauer eine Tür finden, die der Eingang zur Notaufnahme des Krankenhauses dahinter ist.

Wir finden noch ein paar bunte und stattliche Häuser, dann fahren wir weiter.

Die Straße wird jetzt enger und kurviger, es geht in den industriellen Norden des Landes, durch enge Täler und an einer Gaspipeline vorbei.

Es wird steiler, und als wir am Pass ankommen, ist die Aussicht 'fenomenál', wie der Spanier sagen würde. Leider ist es recht diesig, aber man sieht gut zur Skiarena hoch.

Oviedo

Die Hauptstadt Asturiens haben wir bereits auf YouTube in ein paar Dokus gesehen. Irgendwie hieß es immer, der Hauptplatz sei schön, es wird von den hunderten Statuen in der Stadt erzählt, aber das wird der Stadt nicht gerecht. Obwohl wir schon von León sehr begeistert sind, Oviedo legt noch mal eine Schippe drauf. Viele bunte, alte Häuser, steile Straßen, eine sehenswerte Markthalle aus Glas und Stahl.

Wir wandern durch enge Gassen und über weite Plätze, an mehreren Dutzend Statuen vorbei, und an noch mehr Sidrerías.

Das asturische Nationalgetränk ist der Sidra, ein Apfelwein ohne Kohlensäure. Weil das ohne Kohlensäure bitter und wenig lecker ist, wird mit nach oben ausgestrecktem Arm aus großer Höhe in das Glas eingeschenkt. Wer etwas auf sich hält, kuckt dabei nicht mal hin, und Profis drehen sich dabei einmal um sich selbst. Fast immer spritzt es in alle Richtungen, und ehrlich gesagt ist es eine ziemliche Sauerei. Durch die Art des Einschenkens schäumt der Sidra dann im Glas und muss schnell getrunken werden. Ein eher spezielles Plaîsierchen, das wir den Asturiern überlassen. Apfelwein können eben doch die Engländer am besten.

Auf dem Weg zurück zum Auto geht es noch durch einen wunderschönen, grünen Garten. Allgemein merkt man, dass sie Berge eine Wetterscheide sind: Richtung Meer ist alles grün und wächst und gedeiht, dahinter kommt kaum Regen hin.

Unser Hotel ist in einem kleinen Dorf, und direkt daneben ist gerade Volksfest. Wir haben kaum Bargeld dabei, aber hier nehmen sie keine Karten. Netterweise bekommen wir das Abendessen für „alles, was wir dabei haben“, aber weil danach nichts für Getränke übrig ist, bleiben wir nicht lange.

Die Moderatorin im kurzen Kleidchen ist hoch motiviert, und animiert die Menge zu patriotischen asturischen Freiheitsliedern. Auch diese Region war einst ein eigenes Königreich, und es gibt ein deutlich hörbares Separationsbestreben. Nicht ganz so deutlich wie in Katalonien, aber mit Verve und viel Emotion.

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