Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Houston

Houston ist eine abartig große, und leider ebenso langweilige Stadt. Gut, es mag am Wetter liegen, aber mir kommt die Stadt sehr charakterlos vor. Vom Stadtrand bis nach Downtown sind es über 40 km, und alles sieht gleich aus – neben der Autobahn erstreckt sich über die ganze Länge eine Mall nach der anderen, alle mehr oder weniger identisch, nur die Schilder wechseln, mal Wendys und McDonalds, mal Carl’s Jr und Burger King.

Da es immer noch nicht aufgehört hat zu regnen steuere ich den Museumsdistrikt an. Ich erfahre dass das Museum of Fine Arts morgen freien Eintritt hat, also gehe ich erst ins Museum of Natural Science. Da es dort aber nur eine Stein- und Schmetterlingsausstellung gibt (nicht so interessant) buche ich Planetarium und IMAX.

„Black Holes“ im Planetarium ist 20min lang und sieht aus wie eine frühe Amiga-Demo aus den 90ern. Zudem ist es so krass wissenschaftlich wie Galileo: schwarze Löcher sind solide schwarze Kugeln mit roter Scheibe außen rum und oben und unten einem blauen Schweif, eine Raumkrümmung ist nicht zu sehen. Nicht ganz das was ich in einem wissenschaftlichen Museum erwarte, erst recht nicht für $8 Eintritt. Die Zoltan-Wahrsager-Maschine vor dem Eingang und die Heilsteine im Shop hätten mir sagen können dass „Wissenschaft“ hier nicht so eng gesehen wird.

Das IMAX („Tiny Giants 3D“) ist ein bisschen besser, der Film ist wenigstens aus diesem Jahrzehnt. Zwei sehr gefühlsduselige Geschichten über zwei Mäuse im Wald bzw. in der Sonora-Wüste sind jedoch eher für Kinder produziert, allerdings für die Zielgruppe ganz schön gruselig (Gruseleffekte mit Spinnen, Skorpionen, Klapperschlangen) – das Mädchen vor mir klammert sich ganz feste an ihre Mama.

Dann Fahrt zum Übernachtungsplatz: Wer an zu niedrigem Blutdruck leidet – ich habe eine gute Heilmethode. Im Berufsverkehr mit einem Wohnmobil, dessen toter Winkel so groß ist wie ein 40-Tonner durch eine fremde Stadt, dazu heftiger Wind und Regen. Stress pur!

Am nächsten Tag regnet es entgegen der Wettervorhersage immer noch, also wieder mit dem Auto zum Museum. Gut, dass ich die $15 Eintritt heute spare: Das Inventar des MFAH (Museum of Fine Arts Houston) hätte bequem in einem Stockwerk der Pinakothek Platz, und bei den Fotoausstellungen habe ich stellenweise das Gefühl, sie haben schnell irgendwelche Schnappschüsse aufgehängt um den Platz zu füllen.

Das Kunstwerk einer südamerikanischen Künstlergruppe namens Grupo Mondongo finde ich allerdings sehr lustig: Ein Schädel vor Pac-Man-Hintergrund mit viel Pop-Art drin – von Yoda bis Spongebob ist alles dabei. Hier hat jemand bessere Bilder als ich gemacht. Eine der Künstlerinnen ist Agustina Picasso und scheint mit Pablo nichts zu tun zu haben, dafür ist sie mit Matt „Simpsons“ Groening verheiratet.

Auf dem Weg nach Downtown – wenigstens mit dem Auto will ich mal durchfahren – sehe ich an der Ampel eine Frau die heute echt nicht den besten Tag hat. Sie sitzt im Auto und unterhält sich ziemlich angeregt mit ihrem Mann, offensichtlich kein freundliches Gespräch. Als es Grün wird, hupt irgendwann der Hintermann, ganz hektisch haut sie den Gang rein und tritt voll aufs Gas. Dummerweise war es der Rückwärtsgang… Das Gesicht der Frau – Mann, die tut mir echt leid! Es gibt Tage, da steht man besser nicht auf.

Weil mich die Webseite des NASA-Museums nicht besonders heiß macht und ich von Stadt langsam wieder die Schnauze voll habe, lasse ich das aus (ich komme sowieso noch in Cape Caneveral vorbei) und fahre gleich nach Galveston Island. Dort hört es endlich auf zu regnen, und so schnappe ich mir mein Rad und lege noch eine 40km-Nacht-Runde auf dem Highway hin und her ein. Dabei erfahre ich, dass hier übermorgen ein Mardi-Gras-Umzug ist und es außerdem morgen wieder sonnig und trocken sein soll. Juhu!

Weiter Beitrag

Zurück Beitrag

Antworten

© 2021 Unterwegs

Thema von Anders Norén