Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

500 Meter im ersten Gang

Rechts entlang am Ufer, am anderen Ende der Gigantos, blinkt ein Leuchtturm. Luftlinie ein bisschen mehr als 10 km, mit dem Auto fast 50, und man muss 1.100 hm hoch und drüben wieder runter. Heute ist es windig und grau, aber trotzdem geht es in kurzen Klamotten noch.

Mit dem Auto kann man bis Buenavista fahren, dahinter ist die Straße abgesperrt und nur mit dem Bus kommt man weiter. Es wird auch schnell klar warum, die Straße ist einspurig, steil und mit engen Kurven. Der große Bus heizt so nah am Abgrund entlang, dass mir untypischerweise ziemlich flau im Magen wird.

Am anderen Ende ist der Faro von Tena Bajo, und man hat einen fantastischen Blick auf die Klippen, die dann weiter steil aufwärts zum Gipfel des Teno auf 1.345 m ansteigen. Gegenüber sieht man wie vom Hotel aus nach La Gomera, die Nachbarinsel ist etwa 25 km entfernt.

Ein Stück weiter ist ein einzelnes Haus, eine Pension für den sehr gehobenen Geldbeutel weit ab vom Trubel. Die Landschaft ist sehr karg und bewachsen von Aloen, Euphorbien und einem sehr schön gelb blühendem Kraut.

Unser Hotel is das ganz oben am Hang rechts:

Direkt daneben sind drei Baustellen für weitere große Hotels. Bei einem sind nur die Klippen behauen, eines ist halbfertig und steht zum Verkauf, das dritte ist ebenfalls halbfertig, wird aber bereits wieder abgerissen. Die Folgen der Pandemie für die Wirtschaft hier sind deutlich sichtbar.

Gut, dass es bewölkt ist, hier gibt es kaum Schatten, im Sommer ist es hier Mittags vermutlich immer knapp vor Delirium! Außer uns sind ein paar weitere Touris, aber hauptsächlich Angler, Kids, die hier chillen und ein paar Sportler. Unten an der Klippe ist eine große Höhle, ein paar Kanufahrer und eine Gruppe Schwimmer waren drüben, hin und zurück etwa 5 km – Respekt!

Wir nehmen den Bus zurück nach Buenavista, und finden 500 Meter weiter oben eine Wirtschaft mit Außenbereich in einem Zelt. Der Wind pfeift voll durch das Tal und ich sitze zwischen flatternder Zeltwand und frierender Frau eingezwängt.

Es geht weiter den Pass hoch – wir fahren jetzt nicht wieder den weiten Umweg um das Teno-Gebirge außen rum. Die Straße ist so gut ausgebaut wie die zum Leuchtturm – man muss höllisch aufpassen ob hinter der nächsten Kurve nicht jemand entgegen kommt! Auf 800 Metern erreichen wir die Passhöhe kurz unter den Wolken, und als ich die Tür öffne reißt der Wind die Selbige beinahe aus den Angeln. Mit Formel 1-Tempo rasen die Wolken dicht über uns, und die Luft ist feucht und kalt.

Man sieht zurück auf den Montaña del Palmar, einen Vulkan mit drei sehr deutlich sichtbaren Abbrüchen.

Noch ein wenig runter und hoch, und wir kommen zum nächsten Aussichtspunkt, man sieht von hier auf die Schlucht von Masca mit riesigen steilen Wänden. Weit über uns gleitet ein Raubvogel, ein Spanier behauptet, es wäre der seltene heimische Adler, ich erkenne eher eine Eule.

Es gibt nicht nur beeindruckende Felsen zu sehen, auch die Flora ist sehr anders als in Festlandspanien.

Der „schwierigste“ Teil kommt jetzt, von Masca geht es dieselbe enge, kurvige Straße wieder hoch. Der untermotorisierte kleine Polo schimpft und flucht; jedes Mal wenn wir stehen bleiben müssen weil ein Auto entgegen kommt, stinkt die auf Vollbelastung gereizte Kupplung nach dem Anfahren. Ein einziges Mal schalte ich auf den 500 Höhenmetern ganz kurz in den zweiten Gang!

Masca ist eine Wetterscheide, war es bis hier grau, windig und feucht, so kommt jetzt die Sonne in voller Kraft raus. Auf der anderen Seite geht es total easy zweispurig die 1.100 Meter wieder auf Meereshöhe, und zurück im Hotel geht es direkt an den Pool mit Blick auf das Meer und La Gomera.

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