Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Abendspaziergang

Heute Abend bin ich in der Innenstadt verabredet, und habe 2 Stunden Zeit zwischen Arbeit und verabredeter Zeit. Ok, technisch gesehen drei Stunden, aber zwischen „muss ich noch fertig machen“ und „Die Kollegen treffen sich außerdem in der Bar“ verschwindet ein Stündchen. Ich habe mein Stativ eingepackt und will ein wenig Lernen.

Es ist erstaunlich, heute Nacht soll die Temperatur auf 3 Grad absinken, aber es ist noch so warm, dass ich ohne zu frösteln kurzärmelig herumspazieren kann. Vermutlich dauert es nicht mehr lange, bis ich morgens eine Jacke brauche, aber noch geht es ohne. Wunderbar für Anfang November.

Der städtische Elektrorad-Verleih mit seinen Ladestationen leuchtet immer so schön, und gelegentlich gibt es Wagemutige, die sich damit auf die nicht für Radfahrer konzipierten Straßen trauen.

Es ist noch früh, die Straßen sind voll, und die Läden sind noch gut besucht. Gut gefällt mir die Spiegelung der Make-Up-Werbung und der Apotheke im Rettungswagen. Weniger Gewusel und ruhiger wird es in „Rios Rosas“, hier fühle ich mich immer richtig wohl – warum kann ich nicht sagen. Es ist eng und gibt kaum grün, Beton- und Asphaltschluchten. An einer ziemlich dunklen Stelle leuchtet ein Schaufenster über den Gehweg, das möchte ich einfangen. Doch in dem Moment, als ich abdrücke, geht ein Mann mit weißem Pulli an mir vorbei. Die geisterhaften, fast wie Zigarettenrauch erscheinenden Schlieren geben dem Bild einen besonderen Touch, finde ich.

Das knallorange Mofa des Just-Eat-Fahrers erscheint auf dem Bild blass, hier hätte ich länger belichten müssen. Aber der Fahrer hatte es verständlicherweise eilig, und ich konnte nur schnell einen Schnappschuss machen.

In „Trafalgar“ wird es wieder belebter und farbig beleuchtet, die grünen Apothekenlichter schaffen immer eine besondere Atmosphäre.

„Torreznos“ ist eine der Diätspeisen hier. Frittierter Schweinebauch, eine „köstlich dekadente Verwöhnung“. Wahnsinnig lecker, moralisch bedenklich, ungesund bis zu Äußersten. Also in Summe etwas, was man sich einfach bisweilen gönnen muss. Heute aber nicht, in einer Dreiviertelstunde gibt es ja Abendessen.

Das Schönste in Trafalgar ist der „Plaza de Olavide“, ein kreisrunder Platz mit Bäumen, Brunnen, Bars, oft auch sozialen Projekten wie Kindertheater oder Lesungen. Eine Stadt ohne Autos könnte so schön sein!

Die „Regenbogen-Bar“ scheint direkt aus den 80ern hierher gebeamt worden zu sein.

Jetzt bin ich fast angekommen, am „Glorieta de Bilbao“ wechsele ich in den Stadtteil „Justicia“. Zusammen mit „Malasaña“ ist hier das Zentrum des Nachtlebens in der Stadt.

Spannend fand ich die Spiegelwand des Liftausgangs der Metro, die das eigentlich links fast außerhalb des Bildes liegende Ocaso-Gebäude rechts ins Foto bringt.

Vor dem Barceló-Theater wartet eine lange Schlange Menschen auf den Einlass. Ich jedoch habe jetzt Hunger und packe Kamera und Stativ weg, und betrete den Mexikaner, wo ich schon erwartet werde.

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