Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Zum spanischen Moos

Wir stehen immer noch ein wenig verjetlaggt früh auf und sind vor 8 Uhr trotz Trödelei am Morgen bereits auf dem Highway. Vereinzelt gibt es mal einen größeren Ort, ansonsten sind einfach entlang der Straße mit variierenden Abständen Häuser auf großen bis sehr großen Grundstücken. Die Häuser reichen von altem Wohnwagen über Bruchbude, Fertigbretterhaus über gemauerte Häuser bis hin zu richtig schönen Anwesen mit kleinem Teich. So geht es heute über viele hundert Kilometer, ein Asphaltstrich durch dichten Wald, sporadisch mal ein wenig weiterer Blick über Felder, und je weiter wir kommen, immer flacher und mit immer mehr Sumpf und Flüssen.

Und mindestens jedes zehnte Haus ist eine Kirche, Jesus saves, Trust the Lord, The Lord watches your every step.

Und echt perfide: Mitten in einer ziemlich miesen Gegend in Augusta – wir sehen nur Afroamerikaner – eine Kirche mit dem Schriftzug: „The masses follow the master“. What the fuck? Christen kommen echt mit allem Mist durch. Rassismus ist nach wie vor voll gesellschaftsfähig, in den USA, aber auch in Europa. #FuckRacism.

Bald sind wir in Georgia, etwa auf der Hälfte durch den Staat sehen wir die ersten "spanish moss"-Haare an den Bäumen hängen. Das wird jetzt Kilometer auf Kilometer mehr, analog zur Temperatur. Ab Mittag flimmern die Straßen, und wenn wir das Auto verlassen, dann läuft sofort der Schweiß. Anstrengend, aber schööön!

Nach 500 km Fahrt über schnurgerade Straßen durch dichten Wald habe ich die Schnauze voll, ich brauche Bewegung! Einen Trail gibt es leider nicht, aber fast noch besser: Einen Pool!

Der Madison Blue Spring State Park liegt nur wenig abseits der Route. Tief aus einer noch nicht vollständig erkundeten Höhle sprudeln hier jede Sekunde etwa 3000 Liter Wasser in einen Pool, und dann mit ordentlich Strömung in den Withlacoochee River. Das ist nicht nur sehr erfrischend, sondern auch richtig lustig. Ein paar blaue Flecken am Schienbein gibt es, aber das war es wert. Als altes Isar-Treibholz holt das gute Erinnerungen an die Oberfläche!

Abgekühlt und wieder voller Tatendrang schaffen wir die letzten 250 km auch noch. Unser Hotel ist nach dem Withlacoochee River benannt, neben dem es liegt. Ich bin verwirrt, so hieß doch der Fluss am Blue Spring auch? Tatsächlich sind das zwei unterschiedliche Flüsse desselben Namens. In der Sprache der hier ursprünglich lebenden Ureinwohner heißt das „kleiner Fluss“.

Wir wollen uns nach dem Abendessen noch mal die Füße vertreten, aber nach wenigen hundert Metern hört der Gehweg auf, und auf dem Sandstreifen des Highway spaziert es sich nicht sehr angenehm. Aber wenigstens ein bisschen Bewegung hatten wir noch.

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