Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Albarracín

Über ein paar Pässe geht es weiter ostwärts, und wir kommen an viel schöner Natur und ein paar kleinen, zauberhaften Örtchen vorbei.

Viele Orte sind es nicht, denn hier ist Landwirtschaft schwierig, kaum ebener Boden, alles ist steil und steinig. Irgendwann wird es dann um die Strasse immer steiler, bis die Strasse durch einen Tunnel muss, weil neben dem Rio Jucár kein Platz mehr ist. Auf der anderen Tunnelseite ist der Ort Albarracín.

Auf ein paar Kilometer ist hier eine Ebene mit fruchtbarem Land, bis es am anderen Talende wieder ganz eng wird.

Doch bevor wir dorthin kommen, müssen wir uns erst den Ort anschauen. Warum der so spannend ist? Nun, die Lage fanden bereits vor über 2000 Jahren die Römer spannend, später siedelten hier die Westgoten, und schließlich die Araber.

Letztere bauten dann vor etwa 1000 Jahren ein Alcazár auf dem südlichen Hang, das half ihnen jedoch nicht viel. Erst wurden die Herrscher durch einen weiteren muslimischen Stamm vertrieben, und schließlich durch die Christen.

Diese wollten die Stadt weiter ausbauen, und bauten deswegen auf dem Nordhang eine weit ausholende Befestigung. Bis heute wartet der Ort auf diesen Ausbau, und nachdem die Bevölkerung seitdem auf die Hälfte geschrumpft ist, wartet er vermutlich auch weiterhin.

Nicht jedoch auf Touristen, obwohl die Saison vorbei ist und sonst kaum etwas los, hier wuselt es. Die Parkplätze sind voll, wir parken schließlich 1 km die Straße runter außerhalb des historischen Ortes.

So erfahren wir auf dem Fußweg zurück, dass wir in einem der schönsten Dörfer Spaniens sind.

Das mag stimmen, kleine enge Gassen fast ohne Himmel wechseln sich mit kleinen Plätzen mit tollem Panorama ab.

Es geht durch das Labyrinth mit einer einfachen Regel: Hast Du die Wahl, nimm den Weg, auf dem es steil nach oben geht.

Irgendwann ist dann der Ort zu Ende, und es geht entlang der Mauer weiter bergauf.

Beim Atem holen sieht man sich erst auf Augenhöhe mit den Kirchtürmen beidseitig des Tals, und dann versinkt der Ort immer weiter unten.

Die Schlucht rechts im Bild ist übrigens jene, durch die wir gekommen sind.

Man sieht nun die Geier bald über sich, aber auch unter sich kreisen.

Wer nun erwartet, dass es auf der anderen Seite der Mauer ebenso steil bergab geht, der täuscht sich: Fast eben geht es hier weiter, mit der Hütte sieht das fast aus wie in den Alpen!

Ganz oben angekommen müssen wir auch wieder hinunter, und die steilen Stellen mit den hohen Stufen sehen für mein kaputtes Knie nicht einladend aus. Da kann man doch auch über die Mauer absteigen, da gibt es ordentliche Stufen!

Ich atme tief ein, versuche verkrampft nicht nach unten zu sehen, und laufe über die Mauer zum nächsten Turm. Mein Kopf sagt: Die Mauer ist so breit wie ein Weg, das ist total sicher. Mein Magen antwortet, dass es beidseitig ganz schön weit senkrecht bergab geht und dreht sich auf Seitenlage.

Am Turm angekommen muss ich eingestehen, dass das nicht der richtige Weg ist. Klar, da käme ich vermutlich rüber, man kann sich rechts an der Mauer festhalten. Aber es geht im Turminneren gut 5 Meter nach unten, und ich möchte dort nicht begraben werden. Also erneut über die Mauer zurück, und dann mit gar nicht so schlimm jaulendem Knie die steilen Passagen viel einfacher runter als gedacht.

Am Ausgang des Tals ist dann übrigens noch eine dritte Burg, in der Theorie war der Ort wirklich gut geschützt!

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