Unterwegs

Immer auf der Suche nach dem noch nicht Gesehenem

Hill Country

Jetzt bin ich definitiv nicht mehr in der Wüste – seit den frühen Morgenstunden regnet es wie vorhergesagt ununterbrochen, somit bleibt das Rad heute auf dem Ständer. Andere sind nicht so mimosig, den ganzen Tag sehe ich Gruppen von Radlern im Regen über die Hügel ächzen. Respekt!

Von Kerrville geht es am Guadalupe River flussaufwärts, und ich ärgere mir ein Loch in den Bauch dass ich mit der Reise nicht noch 3 Monate gewartet habe: Der kleine Fluss schlängelt sich durch ein bewaldetes Tal, kleine Wasserfälle und Stromschnellen, umgefallene Bäume, immer wieder durch 1m hohe Wehre zu kleinen Seen aufgestaut, von schönen Häusern mit großen Grundstücken gesäumt, immer wieder Schaukelbänke an Ästen über dem Wasser aufgehängt oder schwimmende Inselstege im See. Das ist bestes Flaucherfeeling, nur mit 9 Monaten Sommer pro Jahr (Und ich muss ausgerechnet im Winter kommen!).

Nach einer Stunde Fahrt komme ich an einem entzückenden kleinen Grundstück mit Haus am Ufer vorbei, das zum Verkauf steht. Preis auf Anfrage, nicht dass ich mir das leisten könnte, aber man wird ja mal von seinem Shangri-La träumen können.

Falls jemand es mir wegschnappen will: Das ist es.

Die Natur ähnelt jetzt Slowenien, nur mit Micky-Maus-Kakteen und Aloen. Die Strasse überquert den Bach viele Male, oft nicht mit richtigen Brücken sondern nur mit Furten, das Wasser fließt durch Röhre unter der Fahrbahn – es sei denn es ist Hochwasser, dann ist man mit einem tiefergelegten Fahrzeug hier wohl verratzt. Irgendwann verlässt die Strasse den Guadalupe und jetzt geht es bergauf-bergab über die Hügel. Ein Motorradparadies, und prompt kommt auch ein Warnschild dass an dieser Strasse seit 2006 schon 18 Biker ihr Leben gelassen haben.

Mittags mache ich eine Lesepause auf dem Hügel und lasse die GoPro eine Zeitrafferaufnahme der Wolken machen. In einer Dreiviertelstunde kommt ein Auto und ein Radler vorbei.

Der Lost Maples State Park sieht sehr einladend aus, ich bin schon dabei meine Regenjacke anzuziehen als der Regen so stark wird dass ich meinen Entschluss überdenke – es soll noch länger regnen und im Wohnmobil will ich nicht alles voller nasser Sachen haben.

Weiter geht es zum Garner State Park, das ist wohl der Gardasee für die Texaner. Ein weitläufiger, sich über mehrere Kilometer erstreckender Campingplatz am Ufer des Frio River (Frio wie in spanisch kalt) mit Wanderwegen, Shops und Bootsverleih für den aufgestauten kleinen See. Wunderschöne Natur, aber wenn es hier im Sommer wuselt, ist es vermutlich eher gruselig.

Auf den Hügeln war ich immer mal wieder in den Wolken, auf der Weiterfahrt nach San Antonio kommen die Wolken zu mir – streckenweise ist die Sicht eher mager. Dafür habe ich endlich wieder Empfang. Laut T-Mobile-Webseite habe ich jetzt die Handywüste verlassen, jetzt sollte bis auf Weiteres wieder Empfang sein.

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